Kaiserschmarrn, Kaspressknödelsuppe, Kasnockn und Tiroler Gröstl sind die beliebtesten Mahlzeiten auf den österreichischen Hütten. Bei mehreren Hunderttausend hungrigen Wanderern und Skifahrern pro Jahr kommen enorme Essensmengen zusammen. Welche Leistung dahinter steckt, damit das Essen auf die Hütten kommt – oder auch in die touristischen Kernzonen mitten in Innenstädten – und was moderne Logistik im Gastronomiegroßhandel heute alles können muss, hat sich das Eurogast Journal angesehen und einen Blick in die Lager und LKWs geworfen.

Knapp drei Stunden brauchen Wanderer, bis sie bei der Olpererhütte in den Zillertaler Alpen angekommen sind, je nach gewähltem Zustieg und nach Wetterlage. Auf 2.389 m Höhe erwartet sie eine wunderbare Aussicht auf den Zillertaler Alpenhauptkamm mit dem Gletscherfeld des Schlegeiskees und eisgekrönten Gipfeln. Was die trausend heißhungrigen Hüttenbesucher pro Jahr – meist binnen Minuten – hinunterschlingen, hat davor einen langen Weg und einige Höhenmeter zurückgelegt.

Kaiserschmarrn mit Bio-Eiern
Im Sommer 2019 haben die hungrigen Wanderer ordentlich zugelangt: Rund tausende Eier und tausend Liter Milch wurden in der Küche zu Kaiserschmarrn, Kasnockn und Co. verarbeitet. „Der Kaiserschmarrn mit Bio-Eiern ist der große Renner bei uns. Generell legen wir Wert auf regionale und nachhaltige Produkte. Ich bin nicht bereit, Lebensmittel aus der ganzen Welt, womöglich auch noch in Plastik verpackt, auf über 2.000 Meter hinaufzukarren. Das entspricht nicht meiner Vorstellung von Nachhaltigkeit!“, berichtet Katharina Daum, die gemeinsam mit ihrem Sohn Manuel die Hütte bewirtschaftet. Die Olpererhütte wird rund sieben Mal im Jahr per Helikopter beliefert; anders ist es nicht möglich, Lebensmittel zu transportieren. „Hierbei ist die große Herausforderung, dass das Gewicht der Rollcontainer exakt passen muss, und auch der Liefertag muss beinahe minutiös geplant sein. Schon der kleinste Anflug von Nebel kann einem einen Strich durch die Rechnung machen!“, berichtet Prok. Fritz Pfister, Vertriebsleitung Eurogast Riedhart.

Spätzle mit der Pistenraupe
Eine besondere Herausforderung bringt auch die Skihütte Masner mit sich, ein beliebtes Bergrestaurant im Skigebiet Serfaus-Fiss-Ladis. Die Hütte kann nur mit Skiern oder dem Masner Express – einer überdimensionalen Pistenraupe – erreicht werden. „Wir müssen die Ware so vorbereiten, dass sie mit der Bahn hinauftransportiert werden kann. Von dort geht es dann weiter auf der Schaufel vom Masner Express. Der gesamte Transport dauert rund 2,5 Stunden und geht mitten über die Skipisten. Es ist hierbei sehr wichtig, das Obst und Gemüse entsprechend frostsicher zu verpacken, sodass die Ware qualitativ einwandfrei beim Kunden ankommt“, berichtet Helmut König, Logistikleiter Eurogast Grissemann. Neben frischem Obst und Gemüse bezieht im Winter die Skihütte Masner unter anderem rund
6.000 Liter Mich, 1.500 Liter Schlagobers und 600 kg Spätzlekäse.

Mit dem Allrad durch die Dolomiten
Inmitten der Dolomiten, direkt am Laserzsee, befindet sich die Karlsbaderhütte auf mehr als 2.200 Höhenmetern. Stück für Stück ausgebaut und renoviert ist sie ein Geheimtipp – und war übrigens in der ORF-Show „9 Plätze – 9 Schätze“ für Tirol im Rennen. Auch hier ist die sogenannte Eindeckung eine Herausforderung, die nur mit Allrad und erfahrenen Mitarbeitern zu bewältigen ist. Ein bis zwei Mal pro Jahr lässt der Pächter Rupert Tembler die Hütte eindecken. „Ein verlässlicher Partner, der in Notsituationen aushilft und der den Betrieb gut kennt, ist dabei das A und O und gibt mir die Sicherheit, dass alles passt!“, berichtet Tembler.

Schnee, noch mehr Schnee und Lawinen 
Unerwartet und meistens in Spitzenzeiten erschweren oftmals Wetterkapriolen oder Lawinengefahr die geplanten Zustellungen und stellen das gesamte Logistikteam vor Herausforderungen. Helmut König berichtet über eine außergewöhnliche Lieferung in die Tiroler Gemeinde Serfaus: „Die ganze Gemeinde war wegen eines Hangrutsches von der Außenwelt abgeschnitten, da hieß es plötzlich, wir können abends über einen Forstweg hinauffahren. Unsere LKW-Fahrer kamen sofort und sind in Richtung Serfaus gefahren. Der Forstweg wurde dann doch nicht freigegeben, alle mussten wieder zurück und die LKWs nachts in der Firma ausladen. Trotzdem sind am Folgetag um 4:30 Uhr in der Früh wieder alle mit vollem Einsatz da gewesen, haben die Ware dann nochmals ausgeliefert, auf entsprechend geländetaugliche Fahrzeuge umgeladen und zugestellt.

Die Mitarbeiter sind der Schlüssel zum Erfolg.

Ohne persönlichen Einsatz und den Wunsch, für den Kunden alles Menschenmögliche zu unternehmen, wird es nicht funktionieren“, fasst König die Herausforderungen zusammen.

Bilder: Eurogast Grissemann (1), Eurogast Zuegg (1)

 

 

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