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Im Tourismus reicht es längst nicht mehr aus, den Gästen ein Dach über dem Kopf anzubieten. Diejenigen Hoteliers sind erfolgreich, die über besondere Angebote verfügen, wie etwa ein exklusives Haubenrestaurant, geführte Bergtouren oder hochwertige Wellness-Anlagen. Einen enormen Boom erleben auch sehr spezifische Reiseangebote, die individuell auf die Zielgruppen zugeschnitten sind. Besonders Kinder- und Familienhotels freuen sich über Zuwächse. Parallel dazu haben sich in den letzten Jahren – quasi als Gegenpol – auch die Adults-Only-Hotels am Markt erfolgreich etabliert. Wir haben uns gefragt, was die beiden eint, und sind auf Spurensuche gegangen.

Für 44 Prozent der Österreicher und für jede dritte deutsche Familie steht der Urlaub mit Partner und Kindern in naher Zukunft fix auf dem Programm – ein Zuwachs um zehn Prozent innerhalb der letzten fünf Jahre. Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Studie im Auftrag der Scandic-Hotelgruppe. Damit wird auch deutlich, wie wichtig diese Zielgruppe für die Hotelbranche ist. Wer möchte, dass sich Familien in der Unterkunft willkommen fühlen, muss sich in ihre Bedürfnisse hineinfühlen. Wichtig ist Eltern vor allem das Gefühl, dass das Hotel zu einem stressfreien Urlaub beiträgt und Kinderfreundlichkeit gelebte Realität ist. Das sind die Fakten – wie aber sieht es in der Realität aus?

Fest in Familienhand

25 Jahre ist es her, dass Siggi Neuschitzer für sein Hotel in Trebesing im Kärntner Liesertal drei Gitterbetten, drei Hochstühle und drei Fläschchenwärmer kaufte und sein Haus „Babyhotel“ nannte. Ein Inserat in der deutschen Zeitschrift „Eltern“ sorgte für den ersten Besucher-Boom. Heute gibt es 47 offizielle Kinderhotels in ganz Europa, die strenge Auflagen erfüllen müssen, um diesen Namen führen zu dürfen. In Österreich sind es 28 Betriebe. Familie Mayer ist ein weiterer Pionier im Bereich der Familienhotellerie. Bereits vor über 30 Jahren hat man sich dazu entschlossen, auf Familien zu setzen.

Damals wurde das Stammhaus Alpenrose von einer 17-Zimmer-Fremdenpension in ein Familienhotel umgebaut und dieses wächst seither stetig. 2008 wurde das Oberjoch Resort von einem Kurhotel zu einem Familienhotel umgebaut. Die größte Vision von Ernst Mayer war es, ein Familienhotel auf die „grüne Wiese“ zu bauen. So entstand 2016 das Dachsteinkönig mit dem Anspruch, Europas innovativstes Familienhotel zu sein.

Auch die Tiroler Familie Schultz kümmert sich bereits in dritter Generation intensiv um die Anliegen der Kinder und Familien. Mit dem Erfahrungsschatz der eigenen Großfamilie und reichem Wissen um die Bedürfnisse der Kinder betreibt die Familie das Gradonna Mountain Ressort und das Dolomiten Residenz Sporthotel Sillian und setzt Qualität über alles andere.

Eines fällt bei genauem Hinschauen auf diese Hotels deutlich auf: Kinder werden als vollwertige Gäste gesehen und auch so behandelt, die Atmosphäre in allen Hotels ist ausgesprochen familienfreundlich und offen – und das authentisch.

 

Was ist das Erfolgsrezept der Kinder und Familienhotels?

Stefanie Jost (Marketing und Events der FAMILUX RESORTS): Bei uns stehen die Kinder im Vordergrund, denn ist der kleine Liebling gut versorgt, hat Spaß und kann sich entfalten, dann sind auch die Eltern entspannt und können den Urlaub genießen. Familie bedeutet für uns Freiheit. Zeit gemeinsam zu verbringen, aber auch die Möglichkeit für jeden Einzelnen, ob groß oder klein, sich erholen zu können.

Martha Schultz (Eigentümerin des Sporthotel Sillian und von Gradonna Kals): Unser wichtigster Ansatz ist, dass die Software stimmen muss. Damit meine ich: Vom Hausmeister bis zur Küchenfee muss Offenheit Familien gegenüber herrschen und eine positive, wenn nicht sogar hocherfreute Grundeinstellung Kindern gegenüber vorhanden sein.

Florian Neurauter (Eigentümer Pitzi’s Kinderhotel): Das Pitztal ist mein Zuhause, hier fühle ich mich wohl, die Natur ist so wunderschön und bietet den besten Spielplatz für die Kinder. Und genau das möchte ich den Kindern, die vielleicht im 20. Stock eines Hochhauses wohnen, auch zugänglich machen. Hier bei uns sollen sie sich völlig frei entfalten können, sie sollen ihrer Kreativität freien Lauf lassen können und ein Stück Unbeschwertheit genießen.

Loisi Rieser (Geschäftsführerin Kinderhotel Buchau): Bereits seit dem Jahr 1988 haben wir mit dem Gedanken gespielt, der Kette der Kinderhotels beizutreten. 2006 hatten wir dann den Mut dazu und haben uns ganz auf Familien und Kinder fokussiert. Das war ein richtiger und wichtiger Schritt und ich denke, das ist auch das Erfolgsrezept. Wir haben eine klar definierte Zielgruppe und richten alle Angebote ganz gezielt darauf aus.

Michaela Neururer (Geschäftsführung Laurentius Baby- und Kinderhotel): Im Zuge unseres Umbaus im Jahr 2002 haben wir uns entschlossen, uns auf das Thema Familien zu spezialisieren. Unsere Besonderheiten sind eindeutig, dass im Hotel sehr auf Interior und Design geachtet wurde. Wir sind kein klassisches Kinderhotel, wie man es sich vielleicht vorstellt. Neben den vielen Einrichtungen für Kinder finden bei uns auch Mami und Papi Erholung. 2018 wurde ein eigener Adults-Only-Bereich mit Infinitypool, Panoramasauna und Dampfbad gebaut. Wir sind quasi eine Kombination aus Kinder- und Adults-Only-Hotel.

 

Ist das Kind ein anstrengender Gast und was muss man als Hotelier beachten?

Martha Schultz: Kinder sind grundehrlich und werden immer selbstbewusster, das gefällt mir ehrlich gesagt sehr gut. Nicht selten kommt es vor, dass die Eltern von der Kinderbetreuung wieder weggeschickt werden, weil die Kinder noch was fertig machen wollen. Ansonsten gilt ganz einfach, die Kinder und deren Bedürfnisse zu respektieren.

Loisi Rieser: Ich denke, Kinder fordern ein großes Maß an Ehrlichkeit und Authentizität ein. Wichtig ist, dass drinnen ist, was draufsteht. Wenn Coca-Cola draufsteht, muss auch welches drinnen sein, wenn wir eine Fußballschule anbieten, dann muss auch richtig gekickt werden, und es reicht nicht, den Kindern einen Ball in die Hand zu drücken. Wenn man diese Grundregel befolgt, ist es toll und abwechslungsreich, mit Kindern zu arbeiten.

Stefanie Jost: Erstmal ist es wichtig, das Kind als Gast zu sehen. Wenn man Familienurlaub bieten möchte, dann muss man ganz klar jedes Familienmitglied einbeziehen. Kinder sind anspruchsvoll, aber unkompliziert. Weiters ist ein äußerst hoher Hygienestandard notwendig – nicht nur in diesen Zeiten. Es erfordert viel Disziplin im Housekeeping und eine Sensibilisierung auf höchste Sauberkeit. Die Mitarbeiter in allen Bereichen sollten sich bewusst sein, dass Kinder den größten Teil ihres Arbeitstages um sie sind und dass es eines liebevollen Umgangs mit ihnen bedarf. Herzliche, ehrliche Freundlichkeit ist, was Kinder von uns erwarten.

 

Michaela Neururer: Wichtig ist, alles selbst aus Kindersicht zu sehen. Unsere eigenen Kinder sagen uns, was wir machen sollen und was nicht so „cool“ ist. Wichtig ist, am Ball zu bleiben und zu schauen, wie sich der Markt entwickelt. Was vor zehn Jahren angesagt war, interessiert die neue Generation an Eltern und die heutigen Kinder vielleicht nicht mehr. Ganz wichtig ist für uns, dass auf die Kinder eingegangen wird und dass wir alles nicht zu streng sehen.

Florian Neurauter: Wir wollen den Kindern einen unvergesslichen Urlaub bereiten. Oft sind sie schon sehr gesättigt von den täglichen digitalen Angeboten, die sie im Alltag bekommen. Da wollen wir einen Gegenpart bieten und ihnen Freiheit und Natur zur Verfügung stellen. Oft sind es die einfachen Dinge, mit denen man schon vor dreißig Jahren gespielt hat, die bei den Kindern gut ankommen. Anfangs sind sie oft skeptisch, aber dann können sie ihre Kreativität ausleben und beginnen zu kommunizieren und zu spielen. Das ist die größte Freude, die sie uns als Gastgeber machen können, und zugleich ist es die größte Bereicherung, die sie nach dem Urlaub mit nach Hause nehmen können.

 

Was muss man unbedingt im Hotel anbieten und was darf man auf keinen Fall machen?

Loisi Rieser: Unsere Hotelanlage erstreckt sich auf über 19.000 m2. Diese Großzügigkeit ist gerade in der momentanen Zeit ein riesiger Vorteil. Bei uns gibt es unzählige Freizeit- und Sportaktivitäten, ist doch der größte Fitnessraum unsere umliegende Natur am Achensee.

Martha Schultz: Ich denke, es ist ganz wichtig, dass man große Zimmer anbieten kann, entweder mit Durchgangstür oder mit Nischen, oder Suiten. Die Gäste sollen die Wahl haben, wie sie den Urlaub am liebsten verbringen wollen, und da ist die Zimmergröße sehr entscheidend. Mit Kindern hat man tendenziell einfach auch viel mehr Gepäck und das muss auch Platz finden in den Zimmern. Außerdem erachte ich es als essenziell, dass es Familienermäßigungen gibt. Es soll für die ganze Familien ein schöner Urlaub werden, und da ist das Budget ein wichtiger Faktor.

Michaela Neururer: Die Kinderbetreuung an sich ist immer noch ein wichtiges Thema und auf jeden Fall buchungsrelevant. Ebenso sind aber immer mehr Eltern-Kind-Bereiche wichtig, daher haben wir auch diese speziellen Erholungsbereiche für die Eltern geschaffen.

Stefanie Jost: Müssen ist so eine Sache. Man sollte Kinderbetreuung anbieten, in dem Rahmen, in dem es einem möglich ist. Das ist wichtig, damit die Eltern auch mal Zeit für sich haben und es somit auch für sie Entspannung gibt. Man sollte Dinge wie Sitzerhöhungen, Babybetten, Wickeltische, Babywannen zum kostenlosen Verleih zur Verfügung stellen, damit das Kofferpacken und die Anreise nicht so beschwerlich sind. Was ein absolutes Muss ist, ist die Gewährleistung der Sicherheit! Das gesamte Haus muss kindgerecht gesichert sein

Florian Neurauter: Die Kinderhotels bieten alle eine sehr umfangreiche Grundausstattung. Aber wissen Sie, was das Beste bei uns ist? Der Sandkasten. Unglaublich, aber wahr. Zwanzig Tonnen Sand lassen jedes Kinderherz höher schlagen und machen von Burgenbauen bis hin zu Versteckenspielen alles möglich. Viele Kinder verbringen oft den ganzen Tag in diesem Riesenareal. Generell ist mir bei all unseren Angeboten wichtig, dass sie stimmig sind und die Kreativität der Kinder animieren.

 

Viele Kinderhotels bieten ein großes Ausmaß an Entertainment, brauchen das die Kinder oder die Eltern?

Michaela Neururer: Was wir merken ist, dass Entertainment wie Shows bei unseren Gästen nicht mehr so gut ankommen, da hat sich der Zeitgeist etwas geändert. Auch hier muss man mit der Mode gehen. Aktuell ist es das Wichtigste, dass das Kinderprogramm altersgerecht, gut betreut und abwechslungsreich ist. Wir bieten daher sehr viele DIY-Projekte und Koch- beziehungsweise Backprogrammpunkte an.

Florian Neurauter: Unser Kinderclub bietet den ganzen Tag spannendes und abwechslungsreiches Programm, und das wird auch sehr gerne angenommen. Ich denke, die Mischung muss passen, ein Over-Entertainment braucht es nicht, aber die Angebote müssen stimmig sein und die Betreuung muss perfekt passen – denn die Ansprüche unserer Kunden steigen und das ist auch völlig richtig so. Wir wollen ihnen den Bentley bieten.

Stefanie Jost: Es ist keine Frage von „brauchen“, sondern der Servicegedanke. Ein Unterhaltungsprogramm sagt viel über die Servicequalität eines Hauses aus – nicht nur in der Familienhotellerie.

Martha Schultz: Hier sind wir bei der Hardware: Auch das braucht es natürlich in passendem Ausmaß, vom Kinder- und Teenieclub, wo es einfach auch mal laut sein darf, bis hin zu sportlichen oder kreativen Angeboten. Die Kids sind leicht zu bespaßen, das ist kein Thema, herausfordernder sehen wir es schon bei den Teenies, weil hier oft die Ansprüche und Wünsche weit auseinandergehen. Unser Herzstück ist die Rutsche, die vom Hallenbad bis in den Freibereich rausgeht. Ich kann mich noch gut erinnern, dass wir hier mit meinem Vater viel diskutiert haben, da er diese Anschaffung als viel zu teuer erachtete. Am Ende des Tages war er es, der am öftesten mit seinen Enkerln gerutscht ist.

 

Kinder und Essen – das ist oftmals ein heikles Thema. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht und wie schlimm ist es wirklich?

Florian Neurauter: Ich denke, den Kindern eilt hier ein schlechter Ruf voraus, der sich so nicht bewahrheitet. Die meisten Kinder sind recht unkompliziert, sie versuchen die verschiedensten Sachen. Wir legen großen Wert auf regionale Produkte und kaufen nach Möglichkeit beim Bauern um die Ecke.

Martha Schultz: Ganz ehrlich, die Kinder sind oftmals nicht die Herausforderung, es sind die Eltern, die Druck wegen gesundem Essen machen. Aber unter uns: Auch die Kinder haben doch Urlaub und sollen die Sachen essen, die ihnen schmecken. Dann sind sie zufriedener und das ist für uns alle gut. Nachdem all unsere Speisen mit regionalen Produkten gekocht werden und wir höchsten Wert auf Qualität legen, habe ich hiermit kein Problem. Was bitte ist denn schlimm daran, wenn die Kinder im Urlaub ein paar Mal Palatschinken essen? Dafür bewegen sie sich bei uns so viel in der herrlichen Natur.

 

Stefanie Jost: Bei uns gibt es ein Kinderbuffet mit Klassikern wie Nudeln und Nuggets, aber natürlich auch Gemüse, und ein normales Buffet. Wir gehen gerne auf Unverträglichkeiten ein und bieten außerdem neben drei Stationen mit Qualitäts-Fertigbrei auch frisch gekochte Breie für Babys an. Die meisten Kinder bedienen sich selbst und es geht sehr gesittet zu. Viele Kinder nehmen sich auch vom Buffet für die Großen und probieren mal Speisen aus, die sie zu Hause nicht essen würden. Bei uns ist es halt was Besonderes, denn das Kind darf sich selbst aussuchen und nehmen, was es will.

Michaela Neururer: Wir bieten täglich frisch gekochte Breie an sowie ungewürztes Babygemüse. Am Buffet selbst haben wir auch schon vieles versucht und kommen aber immer wieder auf die Standardsachen
zurück. Es gibt immer ein Fleisch- und ein Fischprodukt am Buffet, verschiedene Sättigungsbeilagen und täglich wechselndes Gemüse. Pommes gibt es allerdings nur auf Bestellung!

Loisi Rieser: Vor über 15 Jahren haben wir uns für all inclusive als Verpflegungsform entschieden. Fischstäbchen oder Nuggets müssen von bester Qualität sein. Rund um unsere Restaurants gibt es für die Kinder ausreichend Möglichkeiten, sich zu beschäftigen. Auch der Kinderclub ist am Abend geöffnet. So können auch die Eltern entspannt das Abendessen genießen. Das Motto ist: Alles tun können, nichts tun müssen!

 

Gibt es bei Ihnen im Speisesaal besondere Vorkehrungen für Kinder oder ist alles erlaubt?

Stefanie Jost: Viele stellen sich das so fürchterlich vor. Bei uns fliegen keine Spaghetti durchs Restaurant. Wir stellen Kinderstühle und Sitzerhöhungen bereit, Lätzchen und Kinderbesteck sind natürlich auch da. Kinder sind anspruchsvoll, aber unkompliziert. Und wenn sie sich entspannt und selbständig bewegen dürfen, dann klappt das auch im Restaurant.

Martha Schultz: Wir haben ein sehr großzügiges Vorspeisen- und Nachspeisen-, Salat- sowie ein Kinderbuffet. Die Kinder dürfen bei uns alles: Sie können a la carte bestellen oder vom Buffet nehmen oder beides, je nachdem, worauf sie Lust und Laune haben. Auch hier bewahrheitet sich wieder einmal die Devise: Kinder geben dir ehrliches und offenes Feedback, und das lieben wir!

Florian Neurauter: Natürlich haben wir das gesamte Equipment, das Kinder – von Babys bis hin zu Kleinkindern – beim Essen brauchen. Spezielle Kindermenüs, eigene Kindertische und Baby-Speisekarten machen manches um einiges leichter.

 

Pitzis Kinderhotel
Wald Kugelgasse 15
6471 Arzl im Pitztal
www.pitzis-kinderhotel.at

Sporthotel Sillian
Sillian 49D
9920 Sillian
www.sporthotel-sillian.at

Laurentius Baby- und Kinderhotel
Leiteweg 26
6533 Fiss
www.familienhotel-laurentius.com

Kinderhotel Buchau
Buchauerstraße 3
6212 Maurach
www.buchau.com

Familux Resorts
Danielstrasse 3
6631 Lermoos
www.familux.com

 

Bilder: Daniel Zangerl (0&2), Daniel Zangerl (1), Sporthotel Sillian (2), Sporthotel Sillian (3), Daniela Jakob (4), Gert Perauer (5), Michael Huber (6), Daniel Zangerl (7), Daniela Jakob (8)

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