fbpx

Gemeinsam gegen die Krise

Der Osttiroler Roland Kleinlercher hat sein Café Petrocelli’s am Lienzer Hauptplatz trotz Gastrolockdown in einen kulinarischen Hotspot verwandelt: Im zum Pop-up umfunktionierten Lokal bieten Köche aus der Region abwechselnd Sushi, Kaiserschmarrn und mehr an.

Text: Lisa Schwarzenauer

 

Sushi im Café Corona sorgt für spannende Kooperationen in Lienz.

Während viele Cafébetreiber im Lockdown darauf umgestiegen sind, Kaffee und Kuchen to go anzubieten, hat sich Roland Kleinlercher bewusst dagegen entschieden. „Ein Nachbar von mir macht das sehr professionell, der produziert jeden Tag selber Kuchen, da will ich nicht mit ihm um das bisschen Geschäft kämpfen, das momentan geht“, sagt Kleinlercher. Ungenutzt lassen wollte er die Location mitten am Hauptplatz aber auch nicht. So ist die Idee entstanden, Köchen aus der Umgebung das Café für Pop-up-Sessions zu überlassen.

 

„Ich habe deshalb keinen Euro mehr Umsatz, aber das Leben misst man letztendlich nicht in Umsatz, sondern in Qualität.“ – Roland Kleinlercher, Betreiber Café Petrocelli’s

 

Besondere Kooperationen

Zweimal wöchentlich ist Roland Kleinlercher selbst im Einsatz – am Montag immer mit der riesigen Kaiserschmarrnpfanne.

Angefangen hat alles mit Sushi, das der befreundete Andreas Leitner von Sushi & More einmal wöchentlich im Café Petrocelli’s frisch zubereitet. „Weil ich ihn kenne und sein Sushi liebe, habe ich ihm angeboten, dass er mein Lokal und meine Eisausgabe kostenfrei nutzen kann, um einmal die Woche mitten in der Stadt sein Sushi anzubieten“, erzählt Kleinlercher.

Das wurde so gut angenommen, dass er das Angebot schon kurz darauf erweiterte: Freitags bietet Kleinlercher selbst süße und pikante Crêpes an, montags bereitet er mit einem befreundeten Koch Kaiserschmarrn in einer 1,50-Meter-Pfanne zu. Für die zwei restlichen Termine hat er einen Facebook-Aufruf gestartet und angeboten, sein Lokal inklusive Equipment kostenfrei zur Verfügung zu stellen – falls jemand ein gutes Konzept hat, das nicht direkt mit den anderen Gastronomen am Platz in Konkurrenz steht und denen möglicherweise das Geschäft ruiniert. „Schnitzel wäre zum Beispiel schwierig gewesen“, sagt Kleinlercher.

So hat sich die Kooperation mit den drei Osttiroler Haubenköchen Lukas Groefler, Michael Rainer und Tom Mascher ergeben, die unter dem Namen LMT food-couture zweimal wöchentlich das Petrocelli’s übernehmen. Obwohl er sofort Gefallen an ihrem Konzept gefunden hat, war Kleinlercher anfangs nicht sicher, wie die Leute darauf reagieren würden.

Kulinarische Gemeinschaft: Lukas Gröfler und Tom Mascher (LMT food-couture), Roland Kleinlercher (Café Petrocelli’s) und Andreas Leitner (Sushi & More)

„Die drei kochen eine Art Haubenmenü, aber meine Vorgabe war, dass es nicht zu teuer sein darf und es die Leute satt machen muss, damit sie die Angst vor den Hauben verlieren“, sagt der Gastronom. „Als sie dann mit drei Autos voller Equipment angetanzt sind, habe ich mir gedacht, lieber Herrgott, bitte lass ein paar Leute kommen, die da auch offen dafür sind. Aber das hat großartig funktioniert, wirklich unglaublich.“

 

Konzept für die Zukunft

Da der Zuspruch von den Leuten und den Gastköchen auch nach Wochen ungebrochen groß ist, denkt Kleinlercher bereits darüber nach, auch nach Corona mit dem Pop-up-Konzept weiterzumachen. „Gerade in den Ruhezeiten zwischen den Saisonen kann ich mir das sehr gut vorstellen – sonst haben die Köche dann ja keine Zeit mehr dafür, wenn wieder alles normal läuft“, meint Kleinlercher.

Sollte jemand eine gute Idee haben für die Zeit zwischen Oktober und dem Christkindlmarkt, wäre Kleinlercher auf jeden Fall bereit für eine Kooperation. „Ich habe deshalb keinen Euro mehr Umsatz, aber das Leben misst man letztendlich nicht in Umsatz, sondern in Qualität. Und es ist auch eine gute Werbung für mich, damit bleibt man im Gespräch – solche Chancen muss man nutzen, gerade jetzt.“

 

 

Bilder: Axel Springer

Weitere Beiträge