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Baustelle, Hochzeit, Neueröffnung – viel hat sich seit 2018 getan im Leben von Hanna und Bernd Konrath, vor allem aber in ihrem Mönichwalderhof.

Text: Theresa Kleinheinz

Mit gerade einmal 23 ­Jahren übernahm Hanna ­Konrath die Geschäftsführung des Hotels, in dem sie aufgewachsen ist – im ­Mönichwalderhof in der oststeirischen Region ­Joglland. Ihr Mann Bernd brachte nicht nur frischen Wind in die Küche, das gesamte Drei-Sterne-Hotel haben sie im Zuge der Übernahme modernisiert und vergrößert. Viel hat sich getan in der 95-jährigen Geschichte, in der das Haus in Familienbesitz ist – oft auf Initiative der Frauen.

 

 

Fest in Frauenhand

Seit 1927 ist der idyllisch am Waldrand gelegene ­Mönichwalderhof in Familienbesitz. Ausgehend vom Ururgroßvater der heutigen Hotelchefin wurde das Haus von Generation zu Generation weitergegeben. Eine Schlüsselfigur in der Geschichte ist Hanna ­Konraths Großmutter Johanna. Bereits als Jugendliche übernahm sie, nach mehreren Schicksalsschlägen, die Verantwortung für das Haus. Sie war es auch, die in den 1960er-Jahren aus dem familiären Gasthaus ein Hotel gemacht und dieses bis zu ihrem Tod 2020 mitgestaltet hat. „Sie hat immer dafür gelebt“, erinnert sich ihre Enkelin, die auf ihre Eltern folgend nun das Hotel führt.

Während die Großmutter Johanna ­Radits die Gäste bewirtete, beackerte ihr Mann Julius die Landwirtschaft im Burgenland. Die Tiere gab er schließlich auf, um sich auf den Ackerbau und das Hotel zu konzentrieren. Heute führen ­Michael Radits senior und junior, Vater und Bruder Hanna Konraths, den landwirtschaftlichen Betrieb. Sie bauen im 45 ­Autominuten entfernten Spitzzicken Weizen, Soja und Mais an. „Wir kaufen das Mehl von jenen Firmen, an die die Landwirtschaft liefert“, erzählt Konrath. So kommt auch die Sojamilch fürs Frühstücksbuffet indirekt aus der eigenen Landwirtschaft.

Nachdem sie in der HBLA Oberwart den Tourismuszweig absolviert und bereits im Zuge der schulischen Ausbildung Praktika in diversen Hotels abgelegt hatte, arbeitete Hanna Konrath zunächst im rund 130 ­Kilometer entfernten Wien. Doch die Umstände im Familienbetrieb haben sie bald wieder zurückgeholt. Kurz vor Weihnachten kündigte plötzlich der langjährige Koch. „Meine Mutter war am Boden zerstört. Sie wusste nicht, wie sie die kommende Wintersaison schaffen sollte“, erzählt Konrath. Daraufhin entschied sie sich, ihrer Familie unter die Arme zu greifen. „Ich kann wieder gehen, wenn wir jemanden gefunden haben“, dachte sie sich damals.

 

Zurückgekommen, um zu bleiben

Doch gegangen ist Hanna Konrath nicht mehr. Angesprochen auf ihr junges Alter meint die Hotelierstochter: „Das hört sich dann immer super an, mit 23 Jahren, aber dass trotzdem die Hauptverantwortlichen meine Eltern sind, gehört dazugesagt.“

In Bernd Konrath hat sie nicht nur einen Ehemann, sondern auch einen Geschäftspartner gefunden. Gemeinsam haben sie sich 2018 für den Umbau und die Übernahme des Hotels entschieden. Im Sommer 2020 konnte endlich aufgesperrt werden. Auf die zwölf neuen, 35 Quadratmeter großen Doppelzimmer sind die beiden besonders stolz. Bis zu 75 ­Gäste kann der Mönichwalderhof in seinen 44 Zimmern nun beherbergen. Sie können es sich im Wellnessbereich, der um neue Räumlichkeiten für Kosmetik und Massage erweitert wurde, gutgehen lassen.

Das Herzstück des Hauses bildet der Gastronomiebereich. Im neuen Speisesaal, der nach Bedarf in kleinere Räume gegliedert werden kann, genießen Hotel-, aber auch Tagesgäste die Kreationen des ­Küchenchefs.

 

Umfangreiches ­Gastronomiekonzept

„Für ein Drei-Sterne-Hotel kann man bei uns wirklich sehr gut essen“, schwärmt Hanna Konrath. Ihr Mann Bernd war, bevor die beiden den Mönichwalderhof übernommen haben, in einem Drei-Hauben-Lokal tätig. Den Sprung von der Restaurant- in die Hotelküche hat er gemeistert und moderne Gerichte auf die Speisekarte gebracht, mit denen er die Herzen neuer Gäste erobern möchte. Gleichzeitig konnte er den Rezepten seiner Schwiegermutter Gerlinde Radits, die von Stammgästen geschätzt werden, treu bleiben. Allem voran den Mehlspeisen der Seniorchefin. „Meine Mutter ist fürs Süße im Haus zuständig“, lacht ­Hanna ­Konrath. Vom Kaiserschmarrn über Germknödel bis hin zu Buchteln ist alles dabei.

Einen Kontrast zu den traditionellen Desserts stellt ein Fine-Dining Konzept dar. Von Donnerstag bis Samstag wird ein Vier oder Fünf Gänge Menü geboten – auch für Tagesgäste. „Es hat ein paar Monate gebraucht, bis es sich herumgesprochen hat. Mittlerweile wird es gut angenommen“, erzählt die 25-Jährige. Zudem bietet das junge Paar Koch- und Grillkurse an. Interessierte aus der Region kommen ins Landhotel, um die Tipps und Tricks vom Küchenchef zu erfahren. Bald soll das Angebot auch für Hotelgäste zugänglich sein.

 

Starkes Team

Flexibilität ist nicht nur täglich in der Küche gefragt, auch die vergangenen beiden Jahre waren unberechenbar. Eigentlich wollte das Paar Ende April ihre große Hochzeit im frisch renovierten Hotel feiern – und eine Woche später aufsperren. Doch daraus wurde nichts. Die Hochzeit fand im kleinsten Rahmen statt, die Hotel­eröffnung erst einige Wochen später. Heute lachen sie darüber und blicken gelassen zurück.

Ihre Entscheidung für die Hotellerie bereut Hanna Konrath nicht. „Bei mir hat sich die Leidenschaft entwickelt. Ich habe nie wieder nachdenken müssen, ob es das Richtige ist“, schwärmt die Steirerin. Dem angeschlagenen Ruf der Branche weiß sie etwas entgegenzusetzen: „Gerade bei uns am Land glaube ich, dass es viele Arbeitgeber gibt, die sich darum kümmern, dass man trotzdem ein Familienleben und Freizeit haben und sich um seine Kinder kümmern kann“, sagt die junge Mutter und Hotelchefin.

 

 

© Karl Schrotter

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