Verena und Thomas Hagelkruys führen auf Schloss Rosenburg im Waldviertel eine gastronomische Wundertüte, die in Sachen Bandbreite und Programmdichte kaum zu übertreffen ist.

Text: Michael Rathmayr

 

Im gastronomischen Sinne scheint es sie doch zu geben, die eierlegende Wollmilchsau. Sie stammt paradoxerweise von der Honigbiene ab. Aber von vorne: Am zauberhaft schönen Renaissanceschloss Rosenburg im Kamptal hält das Ehepaar Verena und Thomas Hagelkruys die gastronomischen Fäden in der Hand: großzügiger Schlossgasthof mit gehobener Wirtshausküche, Viersternehotel mit zwölf Zimmern, Taverne samt Greisslerei. Dazu ein knallbuntes Programm von Rittermahl und Mörderdinner, Hochzeiten, Musikshows (Peter Alexander bis ABBA), Fine Dining, Imbissverpflegung der zahlreichen Ausflugsgäste, bis zum Catering zur Sommernachtskomödie, die bei 22 Aufführungen allein bis zu 15.000 Besucher ans Schloss bringt. Und bei alledem sind die Hagelkruyses doch eigentlich Imker. Oder, halt: Bevor sie die Imkerei von Verena Hagelkruys’ Eltern übernahmen, standen die beiden in Diensten von IBM. Nicht unwesentlich, denn ebendies macht sie vielleicht mehr zu Projektmanagern als zu klassischen Wirten – kein Nachteil, angesichts der Dichte und Vielfalt an gastronomischen Anlässen.

 

Kochlöffelfechten & Imkerlehrgang

Rund um die Rosenburg verstecken sich rund 200 Bienenvölker der Familienimkerei Honig&Co, mit ihrem Honigstand waren die Hagelkruys schon seit Langem rund 70, 80 Tage im Jahr am Schloss präsent. Honig, Metwein und Konsorten kamen bei den Schlossgästen stets sehr gut an.

Als Hausherr Markus Hoyos sie bat, die Schlosstaverne zu übernehmen, zögerten die beiden nicht lange. Schnell war auch das „Rosenburger Rittermahl“ geboren, ein im Gewölbesaal thematisch einwandfrei platzierter kulinarischer Abend samt Kochlöffel-Fechtszene und Bauchtanz, mit den Hagelkruys und ihrem Team in den Hauptrollen. Kredenzt wird deftige Wirtshausküche, dazu Metwein, Honigbier und -schnaps aus der Imkerei.

Die Unternehmung Burgtaverne lief richtig gut an, auch Eurogast Kiennast war als Partner von Anfang an mit im Boot. Wenig später kam Familie Hoyos wieder auf Verena und Thomas Hagelkruys zu, ob sie bereit wären, auch den Schlossgasthof und das Hotel zu übernehmen. Nach kleiner Bedenkzeit haben sie zugestimmt, der Rest ist gewissermaßen Schlossgeschichte. „Umtriebig und lustig muss es bei uns sein, wir brauchen das“, sagt Verena Hagelkruys. Allzu groß erscheint die Gefahr, im Leerlauf zu landen, tatsächlich nicht. Denn nebenbei dient der Schlossgasthof auch noch als Standort der landeseigenen Imkerausbildung, von Hobby bis Vollerwerb. Fürs kommende Jahr ist außerdem die Umsetzung einer Schauimkerei geplant, einer bunten, sensorischen Erlebniswelt samt Schauhütten und Wachskerzendrehen.

 

Management & Teamgeist

Möglich sind solch ein umfangreicher Auftritt und das Bespielen einer derart großen Bühne nur, wenn der Einsatz hoch ist, die Schuhe bequem und die Aufgaben klar verteilt sind. „Ohne unser extrem gut aufgestelltes Team wäre das alles undenkbar“, ist sich Verena Hagelkruys sicher. Die Taverne (und den Bauchtanz beim Rittermahl, zu dem alle im Team, die sich versuchen wollen, eingeladen sind) leitet Aycan Karpak, die ursprünglich über die Imkerei ins Unternehmen kam.

Tausendsassa Michael Pamperl leitet Service und Events im Schlossgasthof. Und Max Wachter, der über die Wiener Haubengastronomie (Vikerls Lokal) und das Vinarium in Göttlesbrunn an die Rosenburg kam, kümmert sich als Küchenchef um die frische, regionalem Ursprung verpflichtete Verpflegung von manchmal 2.000 bis 3.000 Schlossbesuchern – oder aber beim Fine Dining um nur eine Handvoll Restaurantgäste. Gemeinsam mit dem Ehepaar Hagelkruys bilden die drei die Managementebene. „Machen, nicht Anstehenlassen“ laute dabei die Maxime, so Wachter.

Ein guter Umgang mit den Mitarbeitern sei absolut unerlässlich, sagt Thomas Hagelkruys. Man habe im Betrieb keine Saisonarbeitskräfte und keine Teilarbeitszeiten. Entsprechend gebe es auch nie Probleme, gutes Personal zu finden. „Wir verheizen hier niemanden – im Zweifel haben wir lieber zu viel als zu wenig Personal am Start.“

Neben den 25 Leuten im ständigen Team, werden an der Rosenburg auch Praktikanten ausgebildet, zwölf waren es allein 2021, Tendenz steigend. Dazu kommt ein zehnköpfiges „S.W.A.T.-Team“ (© Verena Hagelkruys) aus Freunden und alten Bekannten, das immer einspringt und „raushaut“, wenn es darauf ankommt. Und das tut es auf Schloss Rosenburg sehr regelmäßig. So ist das mit der eierlegenden Wollmilchsau.

 

 

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Schloss Rosenburg

Das Schloss im Kamptal ging aus einer 1175 erstmals urkundlich erwähnten mittelalterlichen Wehrburg hervor, die im 16. Jahrhundert zu einem Renaissanceschloss umgestaltet wurde.Seit 1681 ist die Rosenburg in Besitz der aus Altkastilien stammenden Familie Hoyos, Hausherr ist heute Markus Hoyos. Mit Führungen durch Museum, Prunkräume und Gartenanlagen, Sonderausstellungen, Greifvogelschau und Freilichtbühne zieht Schloss Rosenburg bei rund 150 Öffnungstagen jährlich zwischen 60.000 und 100.000 Besucher an.

 

Imkerei

Honig&Co, die Familienimkerei der Hagelkruys, liegt in Fahndorf, knapp 40 Kilometer südöstlich von Rosenburg. Der Bestand zählt rund 1.000 Bienenvölker und mehr als 12 Millionen Bienen. Honig, Met, Propolis, Pflegeprodukte und vieles mehr werden auf Märkten, in zwei kleinen Läden in Wien, online und am Schloss Rosenburg großteils direkt vermarktet.

© Rosenburg

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