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Bei Heu & Gabel in Wien wird bis ins Take-away hinein nachhaltig gewirtschaftet. Die Suche nach dem passenden Geschirr zum Mitnehmen führte dabei geradewegs nach Mumbai.

Text: Michael Rathmayr

 

Am Meidlinger Markt, dem laut Wiener Wochenzeitung Falter „jüngsten, lustigsten und lebendigsten Markt der Stadt“, lädt seit Sommer 2020 ein neuer Stand namens Heu & Gabel zum Einkaufen oder Gleich-vor-Ort-Genießen ein. Man sieht sich dort irgendwo zwischen Feinkostladen und Heurigem, samt warmen Speisen und Mittagsmenüs, legt größten Wert auf Qualität, Regionalität und schonenden Umgang mit Tier und Natur.

 

Ressourcenschonung, stapelbar

Weil in den Lockdowns mancher Schwerpunkt verlegt werden musste, hat man sich, wie schon bei der Auswahl der landwirtschaftlichen Erzeuger („unsere Stars“), auch in Sachen Take-away-Geschirr die richtigen Gedanken gemacht.

Gelandet sind Katharina Schinner-Krendl und ihr Mann Mario Krendl, gemeinsam mit ihrem Koch Lukas Reiter, bei 65 Stück indischer Tiffins – jenen mehrgeschoßigen Reindln, in denen sich ein Mittagsmenü mit Suppe, Hauptgang und nach Wunsch auch Nachspeise praktisch, hübsch, umweltschonend und damit insgesamt sinnvoll anrichten lässt.

Wer den schönen Bollywoodfilm „Lunchbox“ gesehen hat, weiß, wovon die Rede ist: Ganze Armeen an „Dabbawalas“ ziehen in den überfüllten Straßen Mumbais los, ebensolche Tiffins an ihre hungrigen Adressaten zu verliefern. Auch am Meidlinger Markt wird das blecherne Angebot gegen 8 Euro Pfand gut angenommen, mit wie ohne Lockdowns. Wer sein eigenes Geschirr mitbringt, was unter Stammgästen bei Heu & Gabel auch immer öfter vorkommt, erhält alternativ auch dieses mit allerhand Köstlichkeiten wie Karotten-Ingwer-Suppe, Rote-Rüben-Risotto mit Limetten oder Wagyu-Burger mit Salzgurken und Kren befüllt.

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Infobox:

Algen sind das neue Plastik

Weil endlos langlebiges Plastik für äußerst kurzlebige Zwecke wie das Verpacken von Lebensmitteln und Take-away eine ziemliche Schnapsidee ist, machen Forschungsprojekte wie dieses Hoffnung auf Besserung: Die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) arbeitet daran, aus den Wasserpflanzen, die in Wien und Niederösterreich jedes Jahr zu Tausenden Tonnen aus der Donau gefischt werden, Verpackungsmaterialien herzustellen.

Die zunehmend wuchernden Makrophyten, die nicht zuletzt im Sinne ungetrübten Badespaßes regelmäßig abgeerntet werden müssen, werden so zu abbaubaren Verpackungen, auch Einwegtellern und Bechern. Derzeit ist das Team um Marco Beaumont, Armin Winter, Patrick Geiger und Stefan Veigel von der BOKU dabei, geeignete Pulpingmethoden zu entwickeln, um die Algen in Form zu bringen. Damit nicht genug, könnte Dünger als Nebenprodukt in der Bioraffinerie anfallen, Fermentation zur Biogaserzeugung wurde ebenfalls schon ausgetestet.

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© Michael Rathmayr, BOKU Wien

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