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Das Wildalpgatterl hat sich in den letzten 15 Jahren zum ganz­jährigen Ausflugsziel für Familien und Genießer entwickelt. Verantwortlich dafür ist Angela Fürhapter, die das Gasthaus 2007 übernommen und behutsam weiterentwickelt hat.

Text: Lisa Schwarzenauer

Ganz einfach zu erreichen ist das Wildalpgatterl nicht: Auf 1.300 Metern mitten in den Kitzbüheler Alpen gelegen, muss man entweder die Bergbahn nehmen, zu Fuß gehen oder in die Pedale von Mountain- oder E-Bike treten, um in den Genuss von traditioneller Hausmannskost und atemberaubender Aussicht über üppige Almwiesen und das Tal zu kommen. Im Winter kommt man auch auf Skiern hin – das Gasthaus befindet sich direkt im Skigebiet, Ausstiegsstelle mehrerer Lifte inklusive.

 

Familiensache

Mitten in dieser Idylle hat Familie Fürhapter das Wildalpgatterl zu einer beliebten Destination für Einheimische und Besucher gemacht. Mit der Übernahme des Gasthauses durch Tochter Angela Fürhapter 2007 wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen – radikal verändert haben sich damals aber nur die Öffnungszeiten. „Früher hatten meine Eltern nur im Winter geöffnet, ich habe dann angefangen, auch im Sommer aufzusperren“, erzählt sie. Geschlossen ist nur in den wenigen Wochen, in denen die Bergbahnen nicht fahren. Damit hätten sich natürlich zahlreiche neue Möglichkeiten aufgetan:

 

„Im Sommer kann man so viel mehr machen jetzt, mit dem Garten, mit der Almwiese und dem Almbadl“, sagt Fürhapter. Mittlerweile gibt es auch einen Wildspurenpfad und eine Kneippstation, und direkt neben dem Gasthaus befindet sich ein großes Damwildgehege, das vor allem die kleinen Besucher begeistert. Die Ideen für diese Angebote stammen von ihrem Vater, der inzwischen die zum Wildalpgatterl gehörende, noch etwas höher gelegene Wildalm samt eigener Käserei und Naturkosmetikproduktion betreibt.

 

Regionalität am Teller

Besonderen Wert legen Angela Fürhapter und ihr Team auf die Kulinarik. Die Karte und die Qualität hätten sich ein bisschen verändert, aber im Grunde verfolge man immer noch die gleichen Prinzipien: Regionalität und Genuss. „Wir hatten schon immer das Bedürfnis, so viel wie möglich selbst zu produzieren und alles andere, so gut es geht, direkt aus der Region zu beziehen“, sagt die Wirtin. Das Gemüse komme aus dem eigenen Garten und von heimischen Bauern, Berg- und Frischkäse von der Wildalm, Eier und Fische aus Fieberbrunn, Eierschwammerln direkt aus dem Wald, das Fleisch von den eigenen Schafen und dem Damwild. Das Wildalpgatterl ist deshalb auch Teil von KochArt, einer Gruppe von 20 Gastronomiebetrieben in den Kitzbüheler Alpen, die sich ganz den Themen Regionali­tät und Nachhaltigkeit in der Küche verschrieben haben.

Eine kulinarische Besonderheit sind die Überraschungsmenüs, die es im Sommer jeden Freitag gibt. „Wir haben früher immer Weinbauern eingeladen und zur Verkostung ein Fünf-Gänge-Menü gemacht, und irgendwann haben wir gemerkt, dass der Weinbauer nicht unbedingt präsent sein muss“, erzählt Fürhapter. Das Fünf-Gänge-Menü wurde beibehalten, den Wein schenkt das Team jetzt selbst ein.

Es habe eine Weile gedauert, bis die Leute dieses für ein Berggasthaus doch eher ungewöhnliche Angebot angenommen haben, aber mittlerweile läuft es so gut, dass jeder Abend ausgebucht ist – ganz ohne Werbung dafür, betont sie. „Die Gäste kommen von selbst rauf, weil sie wissen, dass das Essen bei uns gut ist.“

 

Kunst und Wintersport

Abgesehen von der Lage und der Kulinarik ist das Wildalpgatterl aber noch für etwas komplett anderes bekannt: eine riesige Sammlung historischer Wintersportplakate und -fotos, die alle Wände des Gasthauses zieren. Die Basis der Sammlung bilden alte Hahnenkamm-Plakate, es finden sich aber auch Plakate aus anderen Rennorten und von Olympischen Spielen in der umfangreichen Sammlung, die Fürhapters Vater über Jahrzehnte aufgebaut hat. „Dadurch, dass er aus Kitzbühel kommt, hat er da einen besonderen Bezug, und es war einfach auch passend mit dem Wintersport, weil wir ja früher nur im Winter offen hatten“, erzählt sie. Er sammle immer noch – obwohl eigentlich kein Platz mehr ist. „Aber wenn er etwas Schönes sieht, nimmt er es mit.“

 

 

© Axel Springer

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