#1 – Naturhotel aufatmen, Leutasch

Yoga und gesunde Ernährung haben einen besonderen Stellenwert im Naturhotel aufatmen. Die fleischlose Küche entstand quasi aus dem Wunsch der Gäste heraus.

Text: Theresa Kirchmair

Wie so viele Nachfolger standen Maria und Wolfgang Pfeiffer vor der Frage, was sie aus der Pension machen sollten, die Marias Eltern ihnen 2008 übergaben. Die beiden Yogalehrenden sahen schließlich, dass sich eine Möglichkeit ergab, einen gemeinsamen Arbeitsplatz zu schaffen. Nach zahlreichen Um-, Aus- und Neubauten ist das Naturhotel aufatmen in Leutasch heute ein kleines Haus mit hohem kulinarischem Anspruch.

 

Steter Ausbau

Eröffnet wurde das Hotel, das 30 Gästen Platz bietet, als Bed & Breakfast. „Bei uns hat eine Gruppe mit 20 Leuten volle Aufmerksamkeit“, so Pfeiffer über die beschaulichen Strukturen. Laut ihm erlauben die Größe des aufatmen und die Erfahrung des Betreiberpaares eine Anpassung an szenetypische Gewohnheiten, die große Hotels in ihren Yoga Retreats schwerer befriedigen können.

Ab 2015 begannen die Pfeiffers, die Gäste in den Randzeiten selbst zu bekochen. Es folgten einzelne kulinarische Abende während der Saison, die Nachfrage nach einem ständigen Angebot wuchs. „Wir haben viele Gasthäuser bei uns im Ort, aber keines, wo man als Vegetarier gern eine Woche lang hingeht“, beschreibt Pfeiffer. Tiroler Hausmannskost passe nicht recht zu den Bedürfnissen der Gäste des Hotels aufatmen. Nachdem Maria und Wolfgang das Projekt den Kindern zuliebe aufgeschoben hatten, starteten sie vor vier Jahren mit der Halbpension – rein vegan und vegetarisch: „Wie wussten, alles andere wird außen gut befriedigt. Und more of the same war noch nie unser Ding.“

 

 

Starker Start

Die Pfeiffers konnten dank der starken Vernetzung in der Yogaszene im ersten Jahr einen Koch nach Leutasch holen, der zuvor im renommierten Münchner Tian gearbeitet hatte. Bei der Speisenwahl ist vieles erlaubt, erklärt er: „Die Offenheit, die wir in unserer Philosophie propagieren, wollen wir auch in der Küche gewähren.“ Ob französischer, japanischer oder vietnamesischer Einfluss, alles sei willkommen.

Das zeige sich auch in der Architektur des Hotels mit offener Schauküche. Zwischen Köchen und Gästen passiere viel Kommunikation zum Thema Gesundheit und Ernährung, so Pfeiffer. Sowohl Küchenpersonal als auch die Betreiber sind nahe an den Gästen – die Pfeiffers sind selbst beim Frühstück und abends beim Service. Laut Familie Pfeiffer haben die Köche bei ihnen recht freie Hand und sollen sich kulinarisch verwirklichen können.

 

Nehmen, was da ist

Dadurch, dass sich die Küche nicht auf einen bestimmten Stil limitiert, kann das Konzept leichter umgesetzt werden. „Wir kaufen viel bei kleinen Bauern ein, so nah und so frisch wie möglich“, erklärt Pfeiffer. Spontanität gehört dazu – viel Gemüse käme „just in time“, manches wird vom Feld weg verarbeitet, um es vor Überständigkeit zu bewahren. Dabei stammt ein Teil der verwendeten Kräuter sogar aus dem eigenen Garten. „Wir versuchen, das Gemüse in den Vordergrund zu stellen, nicht die Gewürze“, erzählt der Hotelier. Convenience gäbe es keine, 95 % der Produkte seien bio.

 

#2 – Zum Troadkastl, Tauplitz

Mit der Zeit gehen, „ein Ort, an dem jeder etwas zum Essen findet“, wollen die beiden Schwestern Veronika und Kristina Grill in ihrem Heurigen Zum Troadkastl sein.

Text: Michael Rathmayr

 

 

An alle Fleischtiger unter den Stammgästen: Keine Panik, „Krisis Bratl­carpaccio“ und der herzhafte Troadkastl-Burger bleiben weiterhin im Programm. Soll heißen, es wird hier seit Kurzem auch, aber längst nicht nur vegetarisch, vegan, glutenfrei gekocht. Eine Initiative der Schwestern Veronika (30 Jahre) und Kristina Grill (28), die ihre Gastwirtschaft herunten in Tauplitz und die Almrauschhütte oben auf der Tauplitzalm gemeinsam mit Mama Beatrix und Stiefpapa Stefan Mößelberger führen.

Sie wollten in ihrem Lokal allen etwas bieten – auch jener wachsenden Gruppe an Gästen, die aus ethischen Beweggründen oder im Sinne der Gesundheit teils oder ganz auf Fleisch verzichten wollen. Denn in einem Troadkastl (Hochdeutsch): Getreidekasten, bezeichnet jene kleinen Holzhütten auf alten Bauernhöfen, in denen früher das Getreide gelagert wurde fänden seit jeher gesellige Zusammenkünfte statt – Speis und Trank für alle Geschmäcker bilden dafür gewissermaßen das Fundament.

 

Steirische Bowls

Veronika, im Sommer vorwiegend oben auf der Alm, hat in Wien Jus studiert, bevor es sie zurück in die Heimat zog, um im Familienbetrieb einzusteigen. Vielleicht kamen daher die Ideen, es im rustikalen Tauplitzer Bergland mit einem steirischen Spin auf die allgegenwärtigen Poke Bowls mit Halloumi, Couscous und Hummus, zu versuchen. Die fleischlosen Neuigkeiten machten sich im vergangenen Sommer bei den Wanderern schnell beliebt – so fand das neue Angebot auch den Weg ins Tal, in die kleine Küche des Troadkastl.

Dort zeigt man nun, dass der Spagat zwischen Schopfbratl und Quinoa-Wrap nur scheinbar ein solcher ist. Denn im Grunde sei in der Küche schon alles vorhanden gewesen, um auch vegetarisch/vegan zu kochen. Und die traditionelle steirische Küche biete viele Ansätze, Kürbiskernöl und Konsorten auch fleischlos einzusetzen. Spaß am Experimentieren haben die beiden Schwestern jedenfalls – wenn dann plötzlich bei veganen Palatschinken etwas fuchst, nimmt man es mit Humor.

 

 

Lokale Helden

Bis dato werden die kulinarischen Innovationen in Tauplitz noch vermehrt von den Ski- und Wandertouristen angenommen. Aber langsam spricht sich auch im Ort herum, dass man im Troadkastl nicht vom Fleisch allein lebt. Und klar gebe es manche, die damit nichts anfangen könnten. Aber immer mehr Stammgäste zeigten sich offen für Neues, die Nachfrage steige.

In jedem Fall legen Veronika und Kristina großen Wert darauf, dass ihre Produkte, soweit möglich, aus der Region kommen. Oft über Eurogast, manchmal direkt von den Bauern aus der Nachbarschaft. Oder, wie die Eier, frisch vom eigenen Hof, direkt in Tauplitz.

 

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Miteinander

Leopold Winkler, genannt Poidl, betreut die Partnerschaft zwischen dem 2017 eröffneten Troadkastl und Eurogast. Er ist seit 37 Jahren dabei, 30 davon im Außendienst. Die Familie kennt er noch von Stoffis Eltern, die früher schon die Hütte auf der Tauplitzalm bewirtschaftet haben. Es soll schon vorgekommen sein, dass Veronika und Kristina bei einzelnen Bestellungen auf nicht unwesentliche Details vergessen haben.

Stoffis Hütten

Es wird nicht langweilig für Veronika und Kristina Grill, Mutter Beatrix und Stiefvater Stefan „Stoffi“ Mößelberger. Oben auf der Tauplitzalm gilt es, die Almrauschhütte samt Gastwirtschaft und Übernachtungsmöglichkeit für bis zu acht Bergfexe zu schmeißen.Unten im Ort warten Bauernhof, Troadkastl und „Stoffis Hütten“.

Letztere ein schmuckes Selbstversorger-Ferienhütten-Quintett mit klingenden Namen von „Hiatamadl“ bis „Jagabua“, nur wenige Skischuhschritte von der Tauplitzalmer Talabfahrt gelegen. Weitere Infos unter: stoffis-huetten.at

 

© Naturhotel aufatmen,troadkastl

 

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