#8 – Verena Steiner

Essen, das glücklich macht: So beschreibt die Jungunterneh­merin Verena Steiner ihr Soulfoodbike, mit dem sie tagtäglich in der Lienzer Innenstadt anzutreffen ist.

Ein Duft nach Curry und gerösteten Zwiebeln weht durch die Lienzer Innenstadt. Seit Oktober 2020 ist das umgebaute Lastenrad im frischen Grünton nicht mehr vom Hauptplatz wegzudenken. Solange das Wetter ihr keinen Strich durch die Rechnung macht, versorgt Verena Steiner ihre Kundschaft hier mit exotischen Wraps, Eintöpfen und Getränken zum Mitnehmen – in kompostierbarer Verpackung und Mehrwegflaschen. Das Besondere daran: Alle Gerichte werden vegan zubereitet, kommen also komplett ohne tierische Produkte aus.

 

Corona als Neubeginn

Den Schritt in die Selbstständigkeit wagte die junge Unternehmerin zu Beginn der Coronapandemie, als sie ihren Job in der Gastronomie verlor: „Ich wollte einfach nicht mehr davon abhängig sein, ob jemand noch für meinen Gehalt aufkommen kann“, erzählt Steiner, die sich vor zweieinhalb Jahren aus sportlichen und ethischen Gründen für den veganen Lebensstil entschieden hat.

Doch woher kommt eigentlich die Idee, mit veganem Streetfood auf den Hauptplatz zu radeln? „Ich wollte das Ganze so ökologisch wie möglich betreiben, da war das Lastenfahrrad die ideale Lösung. So verbrauche ich keinen zusätzlichen Strom und bin ganz ohne Kraftstoff mobil“, erklärt die Lienzerin, die eine Lehre zur Hotel- und Gastronomieassistentin absolviert hat.

 

Vereinbarkeit von Beruf(ung) und Familie

Zubereitet werden die wöchentlich wechselnden Wraps mit saisonalen Zutaten in der Kolpingküche, wo einerseits die hygienischen Voraussetzungen gegeben seien und auch in Ruhe gekocht werden könne, wie die Mutter eines zehnjährigen Jungen erzählt. „Ich schätze mich sehr glücklich, dass sich mein Soulfoodbike so gut mit der Familie vereinbaren lässt. Sonst ist es in der Gastronomie ja fast unmöglich, gleichzeitig Frau und Mutter zu sein, ohne dass das Kind zu kurz kommt.“

 

Mundpropaganda

Als das Soulfoodbike zum ersten Mal Kurs auf den Lienzer Hautplatz nahm, waren die Reaktionen gleich größtenteils positiv. „Manchmal muss man sich natürlich Sprüche anhören, wie: Gibt’s bei dir keinen Fleischkas? Damit kann ich aber ganz gut umgehen, es muss ja auch nicht jeder bei mir stehen bleiben“, schmunzelt Steiner.

Viele scheinen das aber doch zu tun – mittlerweile hat die quirlige Osttirolerin einen großen Kundenstamm aufgebaut, der ein gesundes und um­weltbewusstes Mittagessen zu schätzen weiß und ihr auch während der Lockdowns die Treue gehalten hat. Sobald der Corona-Trubel wieder etwas abgeklungen ist, soll das Soulfoodbike auch bei Veranstaltungen oder Partys für veganen Genuss sorgen und so die Welt noch ein Stückchen grüner machen.

 

 

 

#9 – Alexandra Gürtler

Alexandra Gürtler übernahm den elterlichen Stegerhof unverhofft. Sie und ihre Mutter, Waltraud Gürtler, entdeckten bald Gemeinsamkeiten und Differenzen.

Drei Häuser bilden das Kinderhotel Stegerhof im steirischen Donnersbachwald. Drei Generationen der Gürtlers führen ihn seit 120 Jahren. Drei Geschwister zogen Waltraud und Wunibald Gürtler groß, Tochter Alexandra Gürtler wurde ihre Nachfolgerin. „Es war nicht geplant, es hat sich so ergeben“, erklärt sie. Ein Bruder wanderte aus, nach einigen Jahren gemeinsamer Führung verließ 2010 der zweite Bruder den Stegerhof. Für Seniorchefin Waltraud Gürtler ist es gut so, wie es gekommen ist: „Man muss froh sein, dass wer weitermacht.“

 

Der Weg zum Stegerhof

Waltraud Gürtler, gelernte Verkäuferin, kam über ihren Ehemann Wunibald Gürtler in den Stegerhof. Das Paar veränderte das Haus kontinuierlich, wie sich die Tochter erinnert: „Meine Eltern haben immer wieder umgebaut, ich bin eigentlich auf einer Baustelle aufgewachsen.“ Mit wenig Personal und drei Kindern führten die Gürtlers ein arbeitsreiches Leben, die gute Partnerschaft half der Seniorchefin, es zu meistern: „Mein Mann und ich haben uns sehr gut verstanden. So war es keine Belastung für uns, wir haben das gern gemacht.“

 

Kommunikation als Schlüssel

Mittlerweile ist Waltraud Gürtler Pensionistin, hilft aber nach wie vor und trägt zum familiären Ambiente bei. Während sie Brot bäckt und Gäste betreut, ist Alexandra Gürtler die Allround-Ansprechpartnerin im Hotel. „Die erste Instanz, wenn’s was hat, bin immer ich“, sagt sie, die auf der Hotelfachschule ihr Handwerk erlernte. Heute leitet sie zusammen mit ihrem Mann, Martin Kerschbaumer, den Stegerhof, übernimmt Controlling und Marketing, hilft im Service, in der Gästebetreuung und kümmert sich um die Deko. „Die Frau ist auf jeden Fall die Seele des Hauses, das muss man ganz ehrlich sagen“, meint sie zur Position der Damen in der Branche, die so viel abfangen würden.

Ein besonderes Anliegen ist ihr ständige Kommunikation mit den Mitarbeitenden: „Die Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen. Denn wenn sich der Mitarbeiter wohlfühlt, dann dementsprechend auch der Gast.“

 

Übernahme mit Hindernissen

Dieser Fokus auf Kommunikation half den Gürtlers auch in der herausfordernden Übergabezeit. Die Familie musste sich erst an die neue Rollenverteilung gewöhnen, Alexandra Gürtler sah schließlich, dass sie sich gegenseitig aufrieben. Sie bildete sich in einem Seminar zur Generationenübernahme weiter, was bei der Glättung der Wogen half: „Jetzt hat jede und jeder seinen Platz im Stegerhof.“ Der Bruder, mit dem sie das Hotel bis dahin führte, konnte andere Bereiche der elterlichen Betriebe übernehmen.

 

Lange Geschichte

Die ältesten Mauern des Stegerhofs sind laut Alexandra Gürtler über 700 Jahre alt, stets sei er ein Gästehaus gewesen. Die alte Substanz brachte Herausforderungen mit sich: Im Stammhaus durften zum Ende hin keine Gäste oder Mitarbeitenden mehr einquartiert werden. Statt es gänzlich abzureißen, entschied man sich unter dem Motto „Altes bewahren, Neues wagen“ für einen massiven Umbau und umfangreiche Renovierungen. Auch an den weiteren Häusern wurde laufend verändert und erneuert. Die Entwicklung hin zum Kinderhotel setzten schon die Seniorchefs 1988 durch, man ist Gründungsmitglied des entsprechenden Vereins. Das hat das Stegerhof-Team zu Familienspezialisten gemacht, so Alexandra Gürtler: „Wir sind sowas von gewappnet durch die 30 Jahre.“

 

Alt und neu

„Ich habe mir immer vorgestellt, wenn ich in der Früh nicht die Erste und am Abend nicht die Letzte bin, dann funktioniert es nicht“, erinnert sich Waltraud Gürtler, die heute Arbeit anders aufteilen würde. Ihre Tochter betont, wie wichtig die richtige Motivation sei: „Man muss das mit Liebe machen.“ Außerdem müsse man flexibel sein und einiges aushalten können.

Ihre Kinder haben Mutter wie Tochter im Stegerhof aufwachsen lassen, was Partnerschaft und Familienverbund ermöglichten. Laut Alexandra Gürtler kann die ältere Generation durch die jüngere Erfahrungen nachholen: „Die Mama hat für die Enkel endlich Zeit, die sie für uns nicht gehabt hat, sie kann da viel aufholen.“

 

 

 

© Soulfoodbike, Armin Walcher

 

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