#5 – Rita Peter

Nach Jahrzehnten in einem Großbetrieb wünschte sich Rita Peter etwas Kleineres, Eigenes. Heute kocht sie im Alleingang für ihre Gäste im Erwachsenenhotel Gemma in Hirschegg.

Ursprünglich wollte sich Rita Peter professionell mit der Natur auseinandersetzen – wäre da nicht eine Tante gewesen, die sie für den Beruf der Köchin begeisterte. „Am Anfang war es das Rauskommen, Neues sehen“, erinnert sich Peter an ihre Motivation, 1976 eine Kochlehre zu beginnen.

 

Aufgekocht

Drei Jahre lang lernte sie ihr Handwerk, immer das Vorbild der Tante vor Augen. Diese arbeitete in einer Krankenhausküche und machte ihrer Nichte Mut. „Wenn sie nicht gewesen wäre, wäre ich wahrscheinlich gar nicht so weit gekommen“, so Peter. Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie 20 Jahre lang in einem Ulmer Hotel, 15 davon als Souschef. Es musste für bis zu 700 Personen gekocht werden, Peter perfektionierte ihre Effizienz.

 

Den eigenen Wert kennen

Die gebürtige Dettelbacherin absolvierte neben der Arbeit Zusatzausbildungen, bei Gehaltsverhandlungen wurden diese aber nur bedingt honoriert, erzählt sie: „Es ist immer schwierig, das zu bekommen, was man eigentlich wert ist.“ Während sie vom Ulmer Küchenchef volle Rückendeckung bekam, musste Peter sich bei anderen Mitarbeitern manchmal erst durchsetzen: „Damit, dass Frauen Köchinnen und auch Küchen­chefinnen sind, tun sich manche noch schwer.“

 

Beschaulichkeit

Nach Jahren im Großbetrieb keimte der Wunsch, in einem kleineren Haus zu kochen. Peter zog vor 22 Jahren ins Kleinwalsertal zu ihrem heutigen Ehemann Klaus Peter, der das Erwachsenenhotel Gemma von seinen Eltern übernommen hatte.

Die Küche betreibt die erfahrene Gastronomin im Alleingang und erledigt auch sämtliche Arbeiten, die rund ums Kochen anfallen. Für sie rücke der Ruhestand langsam näher, nach all den Jahren sei es aber trotzdem eine Herausforderung, sich von ihrer Aufgabe zu lösen, so die 60-Jährige.

 

 

 

#6 – Michaela Kutsch

Michaela Kutsch geht seit 30 Jahren erfolgreich ihren eigenen Weg in der Hotellerie. Die Direktorin des arte Hotel Salzburg erzählt, warum sie heute noch genauso für die Branche brennt wie am Anfang – und warum die Zeit reif ist für mehr Frauen in Führungspositionen.

Obwohl sie sich immer schon für die Hotellerie interessiert hat, wusste Michael Kutsch nach der Schule nicht, in welche Richtung es für sie beruflich gehen soll. „Zwei Jahre lang habe ich alles ausprobiert, ich war bei einer Werbeagentur, im Reisebüro, in Pizzerien, und habe gesehen, meine Leidenschaft ist Hotellerie und Gastronomie“, erzählt sie.

Die AHS-Matura alleine war ihr zu wenig, um wirklich in der Branche Fuß zu fassen, deshalb hat sie sich für die damals ganz neue Lehre zur Gastgewerbeassistentin in einem Viersternehotel in Niederösterreich entschieden. „Das war genau das, was mich interessiert hat, mit viel Praxis und Kontakt zu den Gästen – als wäre die Ausbildung auf mich zugeschnitten worden.“

 

Mit Herz bei der Sache

Das war vor 30 Jahren. Mittlerweile ist Michaela Kutsch Hoteldirektorin im arte Salzburg, das sie schon im Bauprozess begleitet und vor drei Jahren eröffnet hat, und hat zusätzlich die Wiener Niederlassung der arte Hotels übernommen. An einen Ausstieg aus der Branche hat sie nie gedacht: „Ich möchte keinen Tag missen. Die Leidenschaft ist immer noch da, die geht wirklich von A wie Angebote schreiben bis Z wie Zufriedenstellen der Gäste, es ist eine Leidenschaft, die ich wirklich täglich neu erlebe und die nicht erlischt“, erzählt sie. Sie liebe, dass jeder Tag anders ist und sie in ihrem Beruf alles einbinden kann, was sie auch privat gerne macht – „Freunde treffen, Gastgeberin sein, ein Bierchen trinken, was Gutes essen, Dinge organisieren“.

Vorbild im engeren Sinne hatte Kutsch auf ihrem Weg keines. „Ich habe mir bei allen meinen Vorgesetzten angeschaut, was sie gut machen und was nicht, und da viel mitgenommen, aber ich habe immer meinen eigenen Weg gemacht – manchmal vielleicht etwas robuster als andere, auf eine etwas andere Art.“ Sie habe sich nie gescheut, ein paar Grenzen zu übertreten und sich was zu trauen, und das habe sich auch ausgezahlt.

Hartnäckigkeit sei beispielsweise nötig gewesen, als es um den Bau des arte Salzburg ging, in den sie als Hoteldirektorin eingebunden war.

„Ich bin Hoteldirektorin und nicht technische Leiterin, deshalb war es manchmal schwierig, die Bauthemen sofort zu verstehen, und da wurde man teilweise so lächerlich hingestellt als Frau: Ah, die versteht das eh nicht“, erzählt sie. „Aber auch wenn ich mich inhaltlich wo nicht auskenne, weiß ich, wo ich fragen muss, und ich frage auch dreimal, wenn es sein muss.“ Gerade wenn es um technische Aspekte geht, werde man als Frau immer noch unterschätzt.

 

Zeit der Frauen

Abgesehen davon werden die Hotellerie und Gastronomie aber immer frauenfreundlicher – auch, weil es mittlerweile Jobmodelle gibt, die Frauen mit Kindern oder Kinderwunsch eine Karriere ermöglichen. „Man kann auch mit Partner und Familie Karriere machen als Frau. Es lässt sich alles vereinbaren, und ich versuche wirklich, das auch zu zeigen“, betont Kutsch, die sich hier auch als Wegbereiterin sieht. Dass momentan noch nicht so viele Frauen in Führungspositionen tätig sind – sie selbst ist die einzige Frau in der Führungsriege der Ipp Hotels –, hänge auch mit dem Image der Branche zusammen:

„Man hört nur, dass es hart ist und man wenig verdient. Ja, natürlich, nach der Lehre hat man ein kleines Salär, aber wenn man ein bisschen Spaß daran hat und Leidenschaft, dann kann man auf alle Fälle was erreichen und weiterkommen.“

Sie ist überzeugt, dass die Zukunft den Frauen gehört. „Man sieht ja jetzt schon, dass Frauen in Positionen wie Hoteldirektion sehr wohl durchkommen und das super machen, egal ob es um die technischen Belange geht, um die Einrichtung oder um das Gastgeben“, so Kutsch. „Frauen werden da ein bisschen den Vorrang haben. Wir haben mehr Power, mehr Energie, in manchen Lebenslagen sind wir kreativer und ich glaube, dass wir das rocken werden. Das wird ein Trend sein.“

 

 

#7 – Marianne Kröll

In Ellmau hat Marianne Kröll aus einem alten Kaffeehaus ein florierendes kleines Unternehmen geschaffen. Mit viel Engagement packt sie an, wo es nötig ist.

 

Marianne Kröll könnte sich viele Berufstitel geben, denn in ihrem Café Restaurant Bergland ist sie sich für keine Aufgabe zu schade. „Das ist ganz normal in so einem kleinen Betrieb“, erklärt sie, frisch von einer Einkaufstour zurückgekommen. Ihr Bergland hat nicht nur regionale Küche zu bieten, sondern auch vier Appartements und ein eigenes Ferienhaus.

 

Lange Tradition

Als Kröll das Bergland vor 28 Jahren gemeinsam mit ihrem Ehemann von den Schwiegereltern übernahm, war es ein reines Kaffeehaus. In Ellmau gab es damals wenig Gastronomie, die Weiterentwicklung des Betriebes gestaltete sie maßgeblich mit: „Ich war immer federführend dabei.“ Ihre Grundausbildung bekam Kröll in der Haushaltsschule, danach suchte sie sich gezielt gute Häuser als Lehrmeister, um ihr angestrebtes Kochniveau zu erreichen.

 

Inspiration

Aus dem Lehrberuf wurde eine Leidenschaft. „Ich bin mit Leib und Seele Wirtin“, erklärt Kröll mit Stolz. Unter all ihren Aufgaben sei ihr das Kochen die liebste, besonders das Verköstigen der zahlreichen einheimischen Gäste habe ihr Kraft gegeben. Die Liebe zum Beruf und die Unterstützung der Kundschaft halfen Kröll auch über eine harte Phase ihres Lebens hinweg, in der die Doppelbelastung aus Betrieb und damals noch kleinem Kind an ihr zehrten.

 

Vermächtnis

Nach dem Ableben ihres Mannes machte Kröll das Bergland ganz zu ihrem Wunschbetrieb. Bei den zahlreichen Ausbauten und Modernisierungen ist ihr ihr Sohn zur wertvollen Stütze geworden, inzwischen übernimmt er die Vermietung der Appartements. Rückzug ist keine Option für Kröll, schon wegen der Stammgäste, die die Präsenz der Chefin schätzen: „Da sagen dann die Leute, da kann man hingehen, da kann man auch hoagaschtn.“

 

© Hotel Gemma, Axel Springer

 

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