#3 – Ilse Zechmann und Sigrid Hutegger

Die Schwestern Ilse Zechmann und Sigrid Hutegger leben für ihre Waldhäuslalm nahe Untertal – Schladming. Im Betrieb schaffen sie sich durch enge Zusammenarbeit Freiräume.

Auf der Waldhäuslalm herrscht Sommer wie Winter rege Betriebsamkeit: Gäste wollen verköstigt werden, am Spielplatz toben die Kinder, in den Teichen tummeln sich Forellen und im großen Kräutergarten gibt es zahlreiche Nutzpflanzen abzuernten. Zwei Schwestern haben hier stets den Überblick: Ilse Zechmann und Sigrid Hutegger. Die beiden verbindet eine lange Geschichte mit dem Betrieb, der einst ihren Eltern gehörte. „Die Alm wurde 1988 aufgemacht und wir waren von Anfang an dabei“, erinnern sie sich. Die lange Zusammenarbeit hat ihnen zu ihrer größten Stärke verholfen: Sie ergänzen sich in Arbeit und Freizeit.

 

Starkes Team

Als Almchefinnen haben Hutegger und Zechmann zahlreiche Aufgaben, ihr Hauptaugenmerk liegt auf Küche und Service. Hutegger setzt bei ihren Gerichten auf regionale Zutaten und die Kräuter aus dem eigenen Garten, aus denen Tees und Salze hergestellt werden. Unterdessen kümmert sich Zechmann mit dem Serviceteam darum, die Gäste zu versorgen. In der von Holz dominierten Gaststube, dem Wintergarten und auf der Terrasse finden fast 200 Personen Platz.

Die gute Seele der Waldhäuslalm ist die aktive Seniorchefin Herta Stocker, die sich noch mit 77 Jahren um den Garten kümmert und bäckt.

„Das ist unsere Hauptchefin“, erklärt Hutegger mit einem Lachen. Der Betrieb ist zum Generationentreff geworden, denn auch die Kinder von Hutegger und Zechmann sind mit der Alm aufgewachsen und helfen aus. Beim Großziehen der Kinder half die ganze Familie zusammen – Großeltern, die Schwestern untereinander und die Männer der beiden. „Der Betrieb ist sehr zeitaufwendig. Für eine Frau alleine ist das viel schwieriger“, so die Wirtinnen.

 

Freie Hand

Daran, dass die Schwestern die Alm übernehmen würde, gab es in der Familie nie Zweifel. Was 1988 als Hüttchen neben den Fischteichen begann, war im Jahr 2000 bereits eine ordentliche kleine Wirtschaft. Hutegger und Zechmann hatten die Jahre zuvor bereits den Grundstein für die Übernahme gelegt, beide absolvierten gastronomische Grundausbildungen und legten die Konzessionsprüfung ab. Als zum Jahrtausendwechsel der Zeitpunkt zur Übergabe gekommen war, konnten sie auf das Vertrauen und die Unterstützung der Eltern sowie auf die eigenen Fähigkeiten zählen. „Unsere Eltern haben uns freie Hand gelassen. Wir wussten immer, was wir wollten, und konnten es auch umsetzen“, erklärt Zechmann.

Während der Bruder die Pension und den Hof übernahm, drückten die Schwestern der Waldhäuslalm behutsam ihren Stempel auf. Sie ergänzten die Alm um Stall und Wintergarten, erweiterten die Terrasse und steckten viel Zeit in die Modernisierung des Gebäudes.

 

Lernkurve

„Wir machen die Sache gern, wir leben für den Betrieb, uns sind aber auch die Familie und die Freizeit sehr wichtig“, führt Zechmann aus. Die Balance zwischen diesen Fixpunkten mussten die Frauen erst finden, denn von den Eltern übernahmen sie nicht nur die Lokalität, sondern auch die Art, sie zu betreiben.

Jahrelang gab es keinen festen Ruhetag, Freizeit schufen sie sich nur durch enge Absprache und Zusammenarbeit. Dann setzte ein Umdenken ein, heute gibt es auch dank der Mithilfe ihrer Männer einen Ruhetag. Frauen, die einen Betrieb übernehmen wollen, raten die Wirtinnen, auf sich zu achten: „Es ist mit sehr viel Arbeit verbunden, aber es ist wichtig, sich von vornherein Freizeit zu geben, sonst macht man sich kaputt.“

 

 

#4 – Sandra Sifkovits

Die Wirtshaustochter Sandra Sifkovits hat in ihrem Berufsleben vieles ausprobiert. Diese Erfahrungen setzt sie heute als Direktorin im Hotel Das Sonnreich ein.

Sandra Sifkovits wurde buchstäblich in die Gastronomie hineingeboren. Kurz bevor sie am Neujahrstag 1975 auf die Welt kam, hatte ihre Mutter noch im Wirtshaus in Rudersdorf ausgeschenkt. Im Landgasthaus an der burgenländisch-steirischen Grenze wuchs Sandra Sifkovits mit ihren beiden älteren Schwestern auf. „Ich habe es damals gehasst, wenn meine Mutter gesagt hat, die Gläser gehören poliert und mit dem Logo in eine Richtung aufgestellt. Heute bin ich dankbar, dass ich das zu Hause gelernt habe“, blickt sie auf ihre Kindheit zurück.

 

Viel gesehen

Doch nach dem Abschluss der Tourismusschule in Bad Gleichenberg hatte die umtriebige Burgenländerin vorerst genug vom Landleben. Als Au-pair erkundete sie ein Jahr lang die USA. Zurück in Österreich zog es die junge Frau nach Wien. „Für mich war damals alles offen“, sagt sie über ihre ersten Berufserfahrungen. Zunächst spielte sie in einem Reisebüro ihr Verkaufs- und Kommunikationstalent aus, bis es sie schließlich in die Hotellerie zog – und zwar in das Wiener Traditionshaus Imperial.

2001 wieder in die Heimat zurückgekehrt, setzte sie ihr Können im Hotel Intercontinental, dem heutigen Sonnreich, im Marketing der Therme Loipersdorf und sogar im Außenhandel einer Heizungsfirma ein. „Da sind mir allerdings die Menschen abgegangen“, erzählt die 47-Jährige. So kommt es, dass Sandra Sifkovits seit 2010 wieder an ihrem jetzigen Arbeitsplatz ist. Mit der Übernahme des Hotels durch die Therme Loipersdorf 2016 stieg sie zur Hoteldirektorin und Geschäftsführerin auf.

 

Erkennbare Handschrift

Frische Blumen und ein warmer Parkettboden empfangen die Gäste beim Eintritt in Das Sonnreich. Holz und Stein sind die tonangebenden Themen im 171 Zimmer zählenden Thermenhotel. „Durch die Größe können wir viele Zielgruppen ansprechen“, erklärt Sifkovits. Die Hoteldirektorin liebt es, wenn in ihrem Haus etwas los ist. Das äußert sich in zahlreichen Events, ob in Golfturnieren für die sportlichen oder Zaubervorführungen für die kleinen Gäste.

Bekannt ist das Viersternehotel auch für die ausgereifte Cocktail-Bar unter der Führung des Cocktail-Weltmeisters Mario Hofferer.

Um in der männerdominierten Barszene die Frauen vor den Vorhang zu holen, richtete Sifkovits im August 2021 den Fabbri Amarena Cup im Sonnreich aus. Ein Wettbewerb unter Barkeeperinnen aus Österreich und Deutschland, dessen Gewinnerinnen im internationalen Finale in Bologna antreten werden.

 

Weibliche Note

Gleichberechtigung ist Sifkovits besonders wichtig. Der Eindruck, dass Führungspositionen in der Hotellerie männlich dominiert sind, täusche nicht. „Es würde nicht schaden, wenn mehr Frauen in höheren Positionen wären“, meint sie. In ihrem Hotel werden sechs von zehn Abteilungen von Frauen geleitet. „Man merkt, dass es in Frauenhand ist“, bekommt sie im schriftlichen Feedback der Gäste immer wieder zu lesen.

Sifkovits führt das einerseits auf das äußere Erscheinungsbild, etwa in Form von Dekoration oder Kleidung, zurück, aber auch auf das Feingefühl den Gästen gegenüber.

„Die Operative steht im Vordergrund“, lautet ihre Devise. Sandra Sifkovits packt deshalb auch gerne einmal selbst an: „Ich lasse mich zum Beispiel manchmal in die Schank einteilen, um Abläufe zu vereinfachen.“

 

Zusammenhalt auf allen Ebenen

Sandra Sifkovits hat ihr Team fest im Griff – aber niemals ohne Augenzwinkern und stets mit einem freundlichen Lächeln. Als Führungsperson setzt sie auf offene Gespräche. „Meine Tür steht immer offen, das schätzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagt Sifkovits. Mit allen 103 Angestellten ist sie per du, auch mit den Lehrlingen. „Wenn der Respekt nicht da ist, ist es egal, ob ich per du oder per Sie bin“, sagt sie.

Wertschätzung bringt sie selbstverständlich auch ihren Gästen entgegen, etwa in Form von handgeschriebenen Geburtstagswünschen. Und auch die Lieferanten vergisst Sifkovits nicht. „Man muss sich eine Partnerschaft aufbauen“, sei es mit Interex oder mit dem Paketboten. „Allein kann ich nie so stark sein wie im Team“, so Sifkovits. Und so kommt es, dass sich nicht nur Stammgäste, sondern auch das Personal im Sonnreich heimisch fühlen.

 

 

© Michael Rathmayr, Das Sonnreich, Mirja Geh

 

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