#1 – Sylvia Almauer

Nach 38 Jahren an der Spitze von Eurogast Almauer in Steyr geht Sylvia Almauer in Ruhestand. Den Betrieb übergibt sie an Eurogast Landmarkt.

 

Sorgen rund um die Übergabe hat Sylvia Almauer kaum. Dass der Betrieb Teil der Eurogast Gruppe bleibt, das bestehende Team erhalten wird, habe für sie absolute Priorität gehabt. Nervös mache sie einzig, dass ihr Dank ans „wunderbare Team“ beim Abschied zu kurz kommen könnte – an alle der rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Steyr und im Besonderen an ihre beiden engsten Mitstreiter, Michaela Watzka und Johann Seiwald, beide seit über 30 Jahren an Sylvia Almauers Seite.

Auch den treuen Kunden, nicht wenige seit vielen Jahrzehnten in enger Partnerschaft mit Eurogast, fühle sich Sylvia Almauer tief verbunden. Ihre Arbeit werde sie sehr vermissen – das schrittweise Ausräumen des Büros, ihres „zweiten Wohnzimmers“, sei ein mitunter sehr emotionales Unterfangen.

 

Familiensache

Seit Sylvia Almauer 1984 in den elterlichen Betrieb eingestiegen ist, habe sie ihre Entscheidung keinen einzigen Tag bereut. Das, obwohl sie mitten im Sportstudium in Graz stand, eigentlich vorhatte, Lehrerin zu werden. Aber dann rief eines Tages ihr Vater an, gab ihr eine Woche Bedenkzeit, ob sie den Betrieb übernehmen wolle. Die Entscheidung hat sie damals schnell gefällt, „mit Leib und Seele“ habe sie losgelegt – und anfangs habe sie sich bei ausschließlich männlichen Kollegen schon ziemlich „durchbeißen“ müssen.

Bestimmendes Thema sei ihre Rolle als Frau in der Geschäftswelt für sie aber selten gewesen – im Vordergrund stand immer das Machen.

 

Teamgeist

Der Betrieb in Steyr hat einen hohen Anteil an weiblicher Belegschaft, rund drei Viertel des Teams sind Frauen. Diese Quote sei aber keine rein ideologische Angelegenheit, vielmehr habe es mit der Region rund um Steyr zu tun – Männer arbeiteten hier vorzugsweise in der Industrie, oft im Schichtbetrieb.

Auffallend ist, dass viele von Sylvia Almauers Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit vielen Jahren im Betrieb sind – drei davon sind seit mehr als 20 Jahren dabei und vier mehr als 30 Jahre. Nach den Gründen für die hohe Loyalität gefragt, stapelt Sylvia Almauer tief: Das sei eben ein anderes Zugehörigkeitsgefühl gewesen, damals, als diese Leute angefangen hätten. Prokurist Johann Seiwald, selbst seit 47 Jahren bei Eurogast, 31 davon am Standort Steyr, erzählt hingegen von einer persönlichen Ebene, die Almauer mit vielen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern habe: „Sie war immer 24/7 für alle erreichbar, hat auch geholfen, wenn schneller Einsatz gefordert war.“ Ein Verantwortungsgefühl, das allem Anschein nach bindet, trotz veränderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.

 

Alles anders

Gefragt, wie sie der Pensionierung nun entgegenblicke, meint Sylvia Almauer, sie verspüre „Freude und Trauer zugleich“. Nach so vielen vom Arbeitsalltag geprägten Jahren sei es schon eine massive Umstellung, man dürfe sich da nicht hängen lassen. Zum Golfen, ihrem liebsten Hobby, werde sie jetzt endlich mehr Zeit finden.

 

 

#2 – Olivia Immler

Sommer wie Winter verbrachte Olivia Immler in ihrer Kindheit dort, seit 2018 ist sie selbst Wirtin auf der Heilbronner Hütte, wo sie alte Gepflogenheiten und neue Akzente zusammenbringt.

Dass Olivia Immler Vorarlbergerin ist, hört man, begrüßt sie einen gleich mit einem herzlichen „Grüaß di!“ – und damit genau so, wie es sich auf 2.320 Meter Seehöhe gehört. „Zu mir kommt jeder gleich verschwitzt an, ob das der Oberbürgermeister von Heilbronn oder ein Tischler ist“, sagt Immler. Als sie die Schutzhütte des Deutschen Alpenvereins 2018 von ihren Eltern übernommen hat, brachte sie frischen Wind mit: Bier-, Champagner- und Weinverkostungen klingen für eine Berghütte außergewöhnlich. Nicht aber, wenn man Olivia Immler kennt: „Ich bin ein kreativer Mensch und ich brauche Herausforderung. Deshalb lasse ich mir jedes Jahr etwas einfallen“, so die Vorarlbergerin.

Gemeinsam mit einer guten Freundin, die gleichzeitig eine der bis zu zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Heilbronner Hütte ist, machte sie im Winter eine Ausbildung zur Sommelière. Für die Gäste bedeutet das: Winzerabende mit Livemusik.

 

Allrounderin

Erkennbar ist Olivia Immlers Handschrift auch auf der Speisekarte, versucht sie die Rezepte der Eltern weiterzuentwickeln. Gleichzeitig besinnt sie sich aber auch auf die Philosophie von Mutter Angelika und Vater Fredi: „Essen, Trinken, Sauberkeit – das sind die Dinge, auf die ich Wert lege.“ Mit der Zeit geht Immler in puncto veganer und regionaler Gerichte. „Mir ist das Montafon sehr wichtig. Deshalb ist die Küche heimisch“, so Immler.

Eine Kaspressknödelsuppe sucht man darum vergeblich, dafür findet man typische Käse- und Krautspätzle, Montafoner Marend sowie auch diverse vegane Gerichte. Zu kosten gibt es all das voraussichtlich ab Juni, wenn die 39-Jährige in ihre fünfte Saison als Wirtin der idyllischen Hütte im Verwallgebirge startet. Im Frühjahr noch tief verschneit, würde man die Heilbronner Hütte auf dem Fußweg gar nicht erreichen. Wäre da nicht Vater Fredi, der seiner Tochter nach wie vor beim Schneefräsen unter die Arme greift. Auch Mutter Angelika ist zur Stelle, wenn der Hut brennt. „Olivia, du musst auf jeder Station gewesen sein, damit du überall mitreden kannst“, gab sie ihrer Tochter als Rat mit. So verschaffe man sich auch Respekt von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sagt Immler. Egal ob kochen, putzen oder Gäste unterhalten, Olivia Immler packt überall an.

 

„Das ist meine Heimat“

Die Hüttenwirtschaft ist eine Männerdomäne. Dem stimmt Olivia Immler zu. Wie es ihr damit geht? „Da lache ich“, sagt sie. Mit ihren Hüttenwirtskollegen versteht sie sich gut. Dass sie eine weibliche Hüttenwirtin ist, stoße eher bei den Gästen manchmal auf Verwunderung. Sie würden sich hin und wieder an den männlichen Mitarbeiter wenden, im Glauben, er sei der Hüttenwirt. Und noch etwas fällt ihr auf: „Ich werde permanent gefragt: Gibt’s zu der Hüttenwirtin auch einen Hüttenwirt? Aber nein, dem ist nicht so“, lacht die 39-Jährige.

Als Kind verbrachte Olivia Immler sogar die kalte Jahreszeit auf der Heilbronner Hütte. „Ich bin mit drei Jahren das erste Mal mit den Skiern von der Hütte, also von 2.300 Metern mit dem Papa auf 1.000 Meter ins Land hinuntergefahren.“ Rückblickend sei es schon immer klar gewesen, dass sie die Hütte eines Tages übernehmen werde, denn ins Büro wollte sie trotz HAK-Matura nie. „Ich brauche den Umgang mit Leuten“, sagt sie. „Ich habe mir überlegt: Wie würde es mir gehen, wenn ich nicht mehr auf die Heilbronner Hütte hinauffahren würde? Und da war es für mich klar, das möchte ich machen. Das ist meine Heimat.“

 

© Michael Rathmayr, Olivia Immler/Frank Nachtwey

 

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