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Christoph Haller: Landwirt, Unternehmer und Tierarzt

Achtsamer Umgang mit Tier und Natur, ein Schaufenster fürs Unternehmen: bei Hallers Bull Beef im Südburgenland.

Text: Michael Rathmayr

 

Für Landwirte ist es an sich nichts Ungewöhnliches, den eigenen Tieren nahezukommen. Wenn es sich bei diesen allerdings um massive, noch dazu behörnte Bullen handelt, ist das Ganze schon weniger selbstverständlich.

Christoph Haller bleibt dennoch entspannt, wenn er zu seinen Stieren in den Laufstall steigt. Das funktioniere nur so gut und friedlich, weil die Tiere bei ihm mehr als doppelt so viel Platz hätten wie anderswo und den täglichen Kontakt mit Menschen gewöhnt seien, so der Landwirt, Unternehmer und Tierarzt. Statt auf Spaltenböden werden die Bullen auf Stroh gehalten, am Menüplan steht nicht Getreide, sondern Gras und Heu aus der Region. So war es am kleinen Hof im Bregenzer Wald, wo Haller „zwischen Kälbern“ aufgewachsen ist – und so solle es auch im Großbetrieb im burgenländischen Markt Allhau sein, mit derzeit rund 1.500 Tieren.

 

Alles dreht sich

Zwischen 1.500 und 2.000 Tiere bevölkern die Stallungen der Hallers im südburgenländischen Markt Allhau, nahe der steirischen Grenze.

Große Strukturen und ökologische Ansätze schließen einander bei Haller keineswegs aus: Es dreht sich alles um Kreislaufwirtschaft, nicht um die in der Schlachtindustrie übliche Maismast und Profitmaximierung mit wenig Rücksicht aufs Tierwohl.

Der Kreislauf beginnt bei den Wiesen rund um die Lafnitz, deren Gras die Rinder fressen. Der entstehende Stallmist landet im Biogaskraftwerk direkt am Gelände, das Strom für die Haushalte der Umgebung erzeugt. Organische Rückstände werden wieder in die Naturflächen eingebracht. Und der eigentliche Zweck des ganzen Unterfangens: Durch die wiederkäuergerechte Fütterung, langsames Wachstum und weitgehend stressbefreite Haltung entsteht von Natur aus zartes, fein marmoriertes Rindfleisch.

 

 

Herzensangelegenheit

Neben aufwendigem Infotainment rund ums Rind bieten Restaurant, Café und Bar insgesamt 170 Sitzplätze.

Eine Qualität, für die das – ausgerechnet – im Frühjahr 2020 eröffnete Bullinarium in Markt Allhau nun Schaufenster ist: eine Art Erlebniswelt zur neuen Marke, die Hallers Bull Beef sichtbarer machen und Besuchern Kreislaufwirtschaft, artgerechte, klimaschonende Tierhaltung und manches mehr rund um Rind und Rindfleisch näherbringen soll. Infotainment als erster Gang, anschließend Kulinarisches im Restaurant, inklusive großer Schauküche, Café/Bar und Verkaufsbereich.

Sieben Millionen Euro umfasst das Investitionsvolumen der pandemiebedingt noch kaum bespielten Anlage, die das Südburgenland mit Genusspaketen samt Führungen durch den nahen Stall künftig auch touristisch beleben soll. Dabei war am Standort mitten in Markt Allhau, gleich neben der Kirche, ursprünglich nur eine Fleischerei geplant. Aber die Ideen sprudelten, es kam eins zum anderen – am Ende wurde das Bullinarium daraus.

Trotz der Dimensionen bleibt Hallers Bull Beef eine Familienangelegenheit. Initiator und Anchorman ist Christoph Haller. Sein Sohn Florian kümmert sich in der Landwirtschaft um das Wohl der Bullen, Tochter Sabrina leitet die großzügig angelegte Gastronomie im Bullinarium. Und ihr aus La Rioja stammender Mann Mateo Lopez führt die Geschicke in der Küche. Nach mehreren Stationen in spanischen Sternerestaurants ist Letzterer via Do & Co zu den Hallers gestoßen.

Tochter Sabrina und ihr Mann, Küchenchef Mateo Lopez

Seine „Nose to Tail“-Philosophie will das ganze Tier verwerten – so wird dem Steak natürlich gebührend Raum gegeben, es finden sich aber auch echte Seltenheiten, wie geschmorte Wade, Kutteln oder „16 Stunden bei niedriger Temperatur geschmorte Rindswangen“, in Lopez’ Repertoire. Selbst einen Drink namens „Bull Shot“ kredenzt er gelegentlich, einen deftigen Mix aus Apfelbrand und Rinderconsommé. Für konservativere Trinker hat die Bar im Bullinarium auch eine Auswahl erlesener Whiskys zu bieten.

 

 

Bühne frei

Bei Hallers geht es wesentlich darum, für ihre Kunden erfahrbar zu machen, dass bei ihnen vieles so sei, wie es in der Nutztierhaltung eben auch sein sollte. Bewusster Fleischgenuss solle natürlich auch bedeuten, seltener Fleisch zu essen und dafür mehr auf die Qualität zu achten, meint Christoph Haller. Ganz allgemein sei es wichtig, dass wir wieder mehr darauf schauen, woher unsere Lebensmittel kommen.

Sehr stolz auf ihren Weg, im großen Stil zu wirtschaften und dabei trotzdem auf Tier und Natur zu achten, ist Familie Haller jedenfalls. Dass sie das auch gerne herzeigen will, ist nur konsequent. Im Handel zwischen den herkömmlichen Anbietern unterzugehen, sei für die Familie auf die Dauer keine Lösung gewesen, sagt Sabrina Lopez.

Es gilt: Bühne frei fürs Bullinarium. Christoph Haller und die Seinen fühlen sich wohl im Rampenlicht. Ihre sichtlich entspannten Bullen werden die gesteigerte Aufmerksamkeit aller Wahrscheinlichkeit nach gelassen nehmen.

 

 

Bilder: Michael Rathmayr

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