Christina Steindl gilt als Shootingstar der Küchenszene. Sie ist jung, wild und klar fokussiert. Verve, sprudelnde Kreativität und viel Humor zeichnen das Tiroler Energiebündel aus. Eurogast hat sie daheim im elterlichen Betrieb „Hotel Sonne“ in Kirchberg in Tirol zum Interview getroffen. Das Hotel führt ihr Bruder, die Köchin arbeitet seit drei Jahren bei der Firma Rohrmoser – ein Unternehmen, welches auf die Vermittlung von Leihköchen und -köchinnen spezialisiert ist. Aktuell humpelt die Köchin. Gerissene Bänder im Sprunggelenk hindern Steindl (mit frecher schwarzer Punk-Frisur gestylt) aber nicht, ihre Frohnatur auszuleben:

Sie kommen gerade aus dem Krankenhaus. Was ist gefährlicher: Freizeit oder der Kochberuf?

Die Chance, sich in der Freizeit weh zu tun, ist so gering, weil man eh keine hat. Aber ich habe einen Lotto-Sechser gemacht. Mit dem Meniskus hatte ich schon länger zu kämpfen. Am Wochenende hat er sich eingeklemmt, ich bin die Stufe runter gesegelt, es hat einen Schnalzer gemacht, und ich hab gleich gewusst: Das war’s. Alle Bänder im Sprunggelenk sind gerissen.

Gute Besserung.
Koch ist kein Beruf, wo man sich bequem zurücklehnen und die Füße hochlagern kann. Hinzu kommt ein Männerüberschuss in der Küche. Wie schafft man es als Frau, aus dem Männerschatten zu treten?

Die harte Arbeit ist nicht das Problem. Manche glauben halt, sie müssen sich profilieren und geben depperte Sprüche von sich. Unabhängig davon: Als Frau und als Mann muss man Gas geben. Nur Grundleistung zu bringen, ist zu wenig. Freilich muss man auch eine dicke Haut haben. Aber: Sich nur streicheln und hätscheln lassen, und zu allem Ja und Amen sagen, das wird nicht funktionieren.

Gibt es etwas, was Frauen besser können? Wo stoßen Sie an Ihre Grenzen?

Ich denke, es gibt keine speziellen Vorzüge von Frauen. Grundfertigkeiten benötigt jeder Koch. Handwerk ist das A und O. Als Koch oder Köchin sollte man sich mit neuen Techniken auskennen, denn in der Küche ändert sich brutal viel, und es gibt immer Neues zu entdecken. Das kann jeder lernen, was bei Kreativität nicht so der Fall ist. Ohne Vorstellungsvermögen ist es schwierig, Gerichte hübsch anzurichten. Probleme für Frauen sehe ich eigentlich nur, wenn hundert Kilo schwere Fleischbrocken zu schleppen sind. Aber auch bei körperlich sehr schweren Arbeiten probiere ich es.

Was fasziniert Sie am Job?

Es macht süchtig. Auch der ganze Stress. Ich liebe vor allem das Kreative in der Küche, wo du dich entfalten kannst. Und wenn man sich mit etwas beschäftigt und intensiv befasst, geht was weiter. Erfolg stellt sich schnell ein.

Wurden Sie auch von der sogenannten Oma-Küche geprägt?

Bei mir war es eher Zufall. Schlüsselerlebnis in der Kindheit gab es keines. Gerade als Kind hab ich nichts anderes als Schnitzel, Pommes, oder Nudeln gegessen. Eine Zeit war ich sogar vegetarisch unterwegs, was schwierig war. Denn Gemüse mag ich nicht. Salat ist brutal, da hört sich bei mir alles auf. Eventuell Erdäpfelsalat, lauwarm mariniert. Wenn es wem schmeckt, koche ich das natürlich. Nur mir nicht. Zum Kochen gekommen bin ich nach der Tourismusschule. Ich habe ein Praktikum in der Residenz bei Heinz Winkler (Anm.: zwei Michelin-Sterne und drei Hauben) gemacht. Das war schon genial. Dort habe ich dann die Liebe zum Kochen entdeckt und viele Basics mitgenommen.

Wie würden Sie Ihren Küchenstil beschreiben?

Also ich mag schon die ganz einfachen Sachen. Leber zum Beispiel, ganz klassisch, kurz mit Zwiebeln anbraten. Es ist einfach, aber sensationell gut. Gerne verwende ich Innereien. Beim Wettbewerb für den Koch des Jahres waren Kalbskopf, Bries oder Zunge vom Kalb die Hauptzutaten. Bei der Hauptspeise, die übrigens als bester Hauptgang ausgezeichnet wurde (Anmerkung: bei „Oh du mein Österreich“), habe ich unter anderem Lammleber veredelt. Gerne verwende ich auch den Zuckerapfel. Der schaut einfach cool aus.

Also Nose-to-Tail statt Filet?

Sicher verwende ich auch Edelstücke. Aber mein Papa hat Metzger gelernt. Und ich bin so aufgewachsen, dass ein Tier nicht nur auf Edelteile reduziert werden soll. Wertschätzung beginnt, wenn das Tier als Ganzes verarbeitet wird. Außerdem schmeckt ein Schweinbauch hervorragend.

Was spricht für Ihr Engagement bei Rohrmoser?

Zum einen kommst du viel herum. Du bist die Feuerwehr, wenn es brennt. Wenn Hotels oder Restaurants Personal suchen, können wir in der Regel innerhalb von 48 Stunden jemanden schicken. Und du wirst respektvoll behandelt. Niemand holt sich für drei Monate einen Sous-Chef und verheizt den.

Haben Sie eine Lieblingsposition in der Küche?

Boss. Nein, ich mach alles gern. Du musst auch alles können.

Wollen Sie sich nicht selbst einmal eine Haube erkochen?

Ich brauche den Ruhm von Hauben nicht. Durch Wettbewerbe und Medienpräsenz kennt man mich, die kleine Kirchbergerin, auch so.

Wie würden Sie sich beschreiben?

Von mir kannst du alles haben. Auch wenn sich herausstellt, ich habe beim Zusagen einen Blödsinn gemacht. Aber ich halte mein Wort. Allerdings erwarte ich diese Loyalität auch von meinen Mitarbeitern.

Zum Abschluss drei Fragen: Süß oder sauer?

Das gehört zusammen. Beim Dessert geht süß ohne sauer nicht. Obwohl ich gern deftig esse, Germknödel sind schon auch geil. Leider habe ich heuer nur einmal einen gegessen.

Bier oder Wein?

Zum Trinken Bier, weil es gut schmeckt. In der Küche meistens Wein. Bevor ich mir aber ein Glas Wein bestelle, bestell ich mir lieber Bier. Ich mag den hopfigen Geschmack.

Sommer oder Winter?

Beides cool. Im Sommer ist es von der Küche leichter. Mehr Produkte und Vielfalt. Aber wenn man sich im Sommer gut vorbereitet, ist der Winter auch kein Problem. Total easy alles.

Bilder: Gregor Hartl

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