fbpx

Im Waldviertler Foggy Mix zeigt der junge Haubenkoch Bernhard Zimmerl, dass gastronomische Spagate gelingen können – wenn man nur klare Ziele vor Augen hat.

Text: Michael Rathmayr

Die eierlegende Wollmilchsau existiert bis dato (noch) nicht. Hier im Foggy Mix, in Waidhofen an der Thaya, ist man im gastronomischen Sinne zumindest nahe dran: Irish Pub, Cocktail Bar, Café, Billardsalon – und Restaurant. Letzteres mit einer Speisekarte, die von Wraps, deftigen Burgern und Pizza über Tafelspitz und zarten Rindsbraten bis zum raffinierten Fine-Dining-Menü reicht. Ein knallbunter Mix, der mitunter die Gefahr birgt, dass den Gästen am Ende nichts davon so richtig Freude bringt. Aber Bernhard Zimmerl und sein kleines kreatives Team meistern diesen Spagat scheinbar mühelos. In Wahrheit steckt freilich viel Ehrgeiz, Konzept und noch mehr Arbeit dahinter.

 

Entspannter Haubenträger

Dass Gault-Millau das Foggy Mix 2020 erstmals mit einer Haube bedacht hat, ist dabei eine willkommene Anerkennung für Zimmerl. Höchst erfreulich und ungewöhnlich, gerade wegen der kulinarischen Vielfalt. Abheben und zum Nobellokal werden wolle man deshalb aber nicht, auch die Preise sollen weitgehend die alten bleiben. Fürs Fine Dining hat Zimmerl den hinteren Teil des Lokals reserviert. Dort sollen die Dinge, wie überall sonst im Foggy Mix, ungezwungen in Szene gehen. „Manchmal wird das anderswo ein bisschen steif. Unser lockerer Mix ist ein guter Anreiz, dass uns das nicht passiert.“

Denn es kann gut sein, dass zeitgleich zu „Stör & Erbse“ (Erbsen-Hummus, Champagnerroggen-Gnocchi und Chorizo-Öl) vorne vor dem langen Bartresen ein Unplugged-Livekonzert serviert wird, ganz im Stile der legendären MTV-Reihe.

 

Wurlitzer & Harley, Schwein & Karpfen

Seit bald zehn Jahren gibt es das Foggy Mix in Waidhofen. Anfangs mehr Club als Restaurant, hat sich das Lokal immer weiter in Richtung Dining entwickelt. Man entspreche damit den Vorlieben der Gäste – und glücklicherweise auch den eigenen Interessen, sagt Bernhard Zimmerl. Dessen Herz schlägt fürs Kochen: Der gebürtige Waidhofener probiert gerne Neues, wagt sich auch einmal an Kombinationen, die eben nicht auf der Hand liegen.

Ganz wie „Schwein & Karpfen“, ein Duett, das Potenzial habe, sein neues Signature-Gericht zu werden, meint Zimmerl: Bauch vom Waldviertler Mangalitzaschwein mit hochwürzigem Karpfen-Dashi und Birnencrunch. Das Fleisch aus der Region, der Karpfen frisch gleich vom wenige hundert Meter entfernten Jägerteich.

Die Reservierungen fürs neue Fünf-Gang-Menü laufen sehr gut an – der Pizzaofen bleibt trotzdem heiß. Alles Teil eines sympathischen Nebeneinanders bei Publikum und Kulinarik, das sich auch durch den Standort und die großzügigen Dimensionen des Lokals bedingt. Gäste kommen aus der Nachbarschaft, auch einmal auf Pizza, Eiswaffel oder nur ein, zwei Drinks. Andere reisen extra aus Linz oder Wien an, um im Foggy Mix zu dinieren. Alles drin – die Mischung, die macht’s.

–––––––––––

 

 

Zur Person

Vor neun Jahren sperrten Bernhard Zimmerl und sein Vater ihre lose Variation eines Irish Pubs auf, samt fester Nahrung im Angebot. Als der Vater nur wenige Wochen nach der Eröffnung des Foggy Mix einen schweren Schlaganfall erlitt, gingen Betrieb und Küche ganz in die Verantwortung des damals 21-jährigen Bernhard über.

Gelernt hat Zimmerl im Steigenberger in Krems, später war er beim Eisvogel in Wien, dann im Arlberg Hospiz. Nebst Dauereinsatz im Foggy Mix wurde er zu den „Jungen Wilden“ gerufen, auch in der TV-Show „Kochgiganten“ trumpfte er auf. Allzu weit in die Zukunft planen will Bernhard Zimmerl nicht, Neues ausprobieren und Ideen realisieren dafür pausenlos.

 

 

 

© Michael Rathmayr, www.renestrasser.at

 

Weitere Beiträge