Unbeschwert und wie aus einem Guss – so beschreibt Gault&Millau die Gerichte des 30-jährigen Paznauners. Gekonnte Kompositionen und betörende Geschmacksdichte sind es, die Gourmets und Kritiker gleichermaßen faszinieren. Kein Wunder also, dass der Perfektionist zum Koch des Jahres 2019 gewählt wurde. Den Weg für diesen Erfolg ebnete er sich schon früh: Mit gerade einmal 19 Jahren erkochte er sich seine erste Haube und war damit „Jüngster Haubenkoch Österreichs“. Nach einigen Stopps bei Top-Betrieben in Spanien, Frankreich, Deutschland und Dänemark kehrte Benjamin Parth wieder in seine Heimat zurück , wo er seit mittlerweile zehn Jahren im elterlichen Hotel Yscla sowie dem dazu gehörigen Restaurant Stüva als Chefkoch tätig ist. Binnen kurzer Zeit ist es dem talentierten und ehrgeizigen Jungstar gelungen, zur Elite der österreichischen Gourmetköche aufzusteigen. Mit Eurogast hat er über seinen Weg zum Koch des Jahres, seine Küche und die Faszination an seinem Job gesprochen.

Wie sind Sie zum Koch geworden?
Im Alter von ca. zwölf Jahren habe ich das Kochen für mich entdeckt. Jamie Oliver war damals mein großes Vorbild, ich habe mir nachts heimlich seine Kochsendungen im Fernsehen angesehen. Das hat mich unglaublich fasziniert, und ich habe beschlossen, meine Fußballkarriere nicht weiterzuverfolgen – sondern habe mit der Kochlehre begonnen.

Wer oder was hat Sie inspiriert und auf diesem Weg am meisten beeinflusst?
Zweifelsohne meine Lehrmeister, allen voran Heinz Winkler, bei dem ich in Aschau im Chiemgau gelernt habe. Aber auch meine Auslandsaufenthalte in Spanien oder Frankreich haben mich sehr geprägt.

 

Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung „Koch des Jahres“?
Diese Auszeichnung ist sicherlich das Highlight meiner bisherigen Karriere. ‚Koch des Jahres‘ ist eine einmalige Auszeichnung und für mich und mein Team eine phänomenale Bestätigung. An dieser Stelle gilt es vor allem, danke zu sagen, in erster Linie unseren Gästen, die unsere Entwicklung – Haube für Haube – miterlebt und ermöglicht haben. Als begeisterter Snowboarder liegt für mich ein Vergleich nahe: Jeder Sportler will bei Olympia nicht nur dabei sein, sondern ganz oben am Stockerl stehen. Von daher ist diese Auszeichnung gewissermaßen ein Etappensieg auf dem Weg zu unserem weiteren großen Ziel: der vierten Haube.

Welche Veränderungen bringt diese Auszeichnung mit sich?
Am ersten Wochenende nach der Verleihung hatten wir bereits über 100 Tischreservierungen für die Wintersaison, obwohl unser Restaurant Stüva nun bis Ende November geschlossen ist. Die Aufmerksamkeit wird größer. Ich vermute, dass aber auch die Erwartungshaltungen der Gäste steigen. Wir wollen alles geben, um diese auch weiterhin zu erfüllen.


„Koch des Jahres bedeutet gleichzeitig auch Team des Jahres.“

Was fasziniert Sie an Ihrem Job?
Dass ich meine Kreativität mit meiner eigenen Küchenlinie ausleben kann.

Ist es schwierig, in Österreich als Gastronom erfolgreich zu sein?
Nein. Das ist wie in jeder Branche: Wenn man mit Herzblut bei der Sache ist und das tut, was man liebt, kann man überall erfolgreich sein.

Welche Eigenschaften müssen Ihre Mitarbeiter haben?
Teamfähigkeit, Pünktlichkeit, Sauberkeit. Und die Bereitschaft, unser Motto zu leben: „Jeden Tag besser werden.“

Was denken Sie, woran liegt es, dass aktuell die Gastronomie händeringend nach Personal sucht, und was wären Ihre Lösungsansätze?
Ich denke mir, das liegt daran, dass jeder Manager werden will. Wir müssen die Jobs in der Gastronomie wieder besser verkaufen. Es muss wieder cool sein, als Koch oder im Service zu arbeiten.

Wie würden Sie Ihren Küchenstil beschreiben?
Modern, klassisch, puristisch.

Was halten Sie vom Trend zu mehr Frische und gesundem Kochen in gehobenen „Fast Food Restaurants“ generell und haben Sie Erfahrung damit?
Damit habe ich keine Erfahrung. Aber es gibt auch gutes Fast Food. Wenn es mit Liebe zubereitet und mit frischen Zutaten gemacht ist, habe ich damit kein Problem.

Welche Eigenschaften sind es, die Sie zu einem Spitzenkoch machen?
Meine Sturheit, mein Perfektionismus und mein langer Atem.

Was ist Erfolg für Sie?
Erfolg ist, wenn man glücklich aus der Arbeit geht.

 

„Je lockerer man ist, umso näher kommt man der Perfektion.“ – Benjamin Parth

 

Welchen Tipp würden Sie jungen aufstrebenden Köchen in Österreich geben?
Durchhalten, weitermachen und manchmal die Zähne zusammenbeißen. Lehrjahre sind keine Herrenjahre.

Was ist Ihre persönliche Lieblingsspeise?
Das ist stimmungsabhängig. Die Bandbreite reicht da bei mir von Butterbrot mit Schnittlauch über einen schönen Fleischkäse bis hin zu Hummer und Austern. Es kommt darauf an, worauf ich gerade Lust habe.

Bilder: ProMedia

 

Weitere Beiträge