Mit dem Wildfleischhändler und Waidmann Karl Berger unterwegs in seinem Jagdrevier in der Steiermark.

Text: Michael Rathmayr

Diese Gegend hier kennt mich schon seit 50 Jahren“, sagt Karl Berger vor seinem Jagdhaus nahe St. Johann in den Niederen Tauern. Der bayerische Unternehmer und passionierte Jäger liebt das sanfte, wildreiche steirische Bergland. Schon sein Vater hatte hier eine Jagdbeteiligung, seit 2012 hat auch er eine solche inne. Und seit drei Jahren besitzt er außerdem eine 117 Hektar große Eigenjagd, naturgemäß samt Wild, Wald und den damit verbundenen Rechten und Pflichten.

„Ich habe schon ein Glück, dass ich hier ein stückweit zu Hause bin“, meint Berger. Es macht fast den Eindruck, als wäre er am liebsten permanenter Wahlsteirer, wenn er denn könnte. Aber ein Teil der Familie ist die meiste Zeit über in Bayern, und der Firmensitz der Hochländer Wild GmbH, die Wildfleisch aus Österreich, Ungarn, Polen, Spanien und Slowenien in zwölf Länder verkauft, liegt im Kärntner Griffen, an der Wasserscheide zwischen Lavanttal und Jauntal. Immerhin auch dort eine Gegend voller Postkartenmotive, außerdem nicht weiter als eine gute Autostunde von Bergers Jagdrevieren entfernt.

 

Linke Hände, rechte Hände

Von der kurzen Trophäenbeschau im alten Jagdhaus, das Karl Berger behutsam wieder instand gesetzt hat, geht es per Geländewagen weiter auf die andere Talseite, hinauf zur Hütte im Eigenjagdrevier, Richtung Lentschenberger Alm. Dort wartet Hans Dobler, Bauunternehmer und ebenso begeisterter Jäger, mit Verwandtschaft und Freunden auf ihn. „Ich habe zwei linke Hände zum Handwerken, der Hans zwei rechte – wir ergänzen uns perfekt“, sagt Berger über seinen Freund und Partner im Revier. Stolz präsentiert er Dobler und dessen Familie seine letzten, frisch abgekochten Trophäen.

Doblers Neffe Andreas Skoff hat oben auf der Alm vor wenigen Stunden ein Muffelschaf geschossen, das für den Weitertransport in die Wildsammelstelle bereitliegt. Die Sammelstelle in Pusterwald wird, wie viele hundert weitere im wildreichen Österreich, mehrmals wöchentlich von Fleischverarbeitern, wie dem steirischen Unternehmen Strohmeier, angefahren, dem Handelspartner von Hochländer Wild in Österreich.

Muffelwild zählt nicht gerade zu den Delikatessen in der Wildfleischindustrie, was sich auch im eher symbolischen Preis manifestiert, der pro Kilo an die Jäger geht. Freude an der Jagd, mit allem, was dazugehört, haben die drei Waidmänner deshalb nicht minder. Des Geldes wegen gehen sie ohnehin nicht auf die Pirsch, die lassen sie sich vielmehr etwas kosten.

 

Englischer Rasen

Vor ein paar Wochen haben Wanderer im Revier die frisch abgemähten Wiesenflächen entlang der Forstwege gelobt. „Die dachten wirklich, wir machen das für sie“, so Berger. In Wahrheit passiere das natürlich, um mit den frischen, grünen Wiesen das Wild anzulocken, das sich gelegentlich selbst tagsüber blicken lässt.

Die Jagd, Wildfütterung im Winter, die Pflege des Waldes, die Instandhaltung der Wege und der Vielzahl an Hochständen in Bergers zwei Revieren – es scheint, als gelte es hier andauernd, etwas anzupacken. „Einmal 14 Tage da heroben bleiben, das wäre es“, sinniert Karl Berger auf der Jagdhütte. „Du bist ja noch jung, Karl“, entgegnet Hans Dobler. „Das wird schon noch werden.“

 

Jagd in Österreich

Laut Statistik Austria lag die Gesamtzahl der Abschüsse im Jagdjahr 2019/2020 mit 838.000 um knapp 14 Prozent über dem Wert der letzten Saison, wobei Rehwild mit 278.000 den größten Teil ausmacht.

 

 

© Michael Rathmayr, Strohmeier/Oliver Wolf Foto GmbH

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