Kommen wir zum viel zitierten Vereinbarkeitsgedanken. Neben dem Job in Küche oder im Hotel schnell die Kinder in den Musikunterricht oder die Sportstunde gebracht oder schnell die Waschmaschine eingeschaltet – so geht es vielen Müttern in der Gastrobranche. Die israelische Spitzenköchin Neni Molcho ist hierfür ein glänzendes Vorbild. Sie betreibt mehrere gehobene Restaurants: Sie heißen allesamt Neni, die Anfangsbuchstaben ihrer vier Söhne. Es war eine bewusste Entscheidung, die Zügel selbst in die Hand zu nehmen. Ehrlicherweise muss man aber auch wissen: Ihr Gastroimperium hat sie erst aufgebaut, als ihre Kinder schon aus dem Gröbsten heraus waren. Haya Molcho ist jetzt 63. Kinder sind sicher ein Hindernis, sagt sie. Aber nicht für immer.

Eurogast hat die sieben Gastronominnen und Hotelieres gefragt, wie schwierig es wirklich ist, Familie und Job in der Spitzengastronomie zu kombinieren.

Rosi Schipflinger: Familie und Gastronomie lassen sich nur vereinen, wenn alle die Problematik des Geschäftes kennen und sie auch akzeptieren. Ich bin sehr stolz, dass mein Sohn auch im Betrieb tätig ist, und seine Gerstelsuppe ist mein absolutes Lieblingsrezept.

Christa Wimberger: Ein strenger Terminkalender ist unumgänglich, um sich Freiräume zu schaffen. Es geht nur dann, wenn man alle Probleme und Aufgaben auch im Familienband bespricht und dann gemeinsam zu lösen versucht. Nach dem Tod meines Mannes stand ich vor der Herausforderung, den gemeinsam erschaffenen Betrieb erfolgreich weiterzuführen, das habe ich nur dank der Unterstützung meiner Familie geschafft. Gut funktionierende Familienbetriebe sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft, und darum bin ich auch sehr stolz, dass mein Sohn Markus unser Küchenchef ist. Seine Kalbsleber auf Trüffel-Erdäpfel-Püree ist ein Traum.

Traudi Sigwart: Jetzt lässt es sich gut vereinen, aber früher, als die Kinder noch kleiner waren, war es oft schon sehr schwierig, vor allem was die Zeitplanung betrifft. Gerade in den Ferien, wo bei uns ja Hochsaison ist, mussten sie oft auf ein Freizeitprogramm verzichten und mithelfen.

Tina Forster: Die Gastronomie ist nicht unbedingt die beste Basis für eine Beziehung und schon gar nicht für eine Familiengründung, aber da kann man seine Managementfähigkeiten gehörig unter Beweis stellen. Ich finde es auch wichtig, dass man die Kinder in den Betrieb miteinbezieht, ihnen aber dennoch ein geregeltes Familienleben ermöglicht.

Christina Mauracher: Wenn ich beides kombinieren will, brauche ich gutes Personal. Heutzutage gibt es viele junge, motivierte Mitarbeiter, die was erreichen wollen, und Visionen haben. Wenn ich mich entscheide, mehr für die Familie da zu sein, dann muss ich meine Position zu der eines „Mentors“ wechseln.

Frauen haben schon immer gekocht, Frauen haben auch schon immer die Familie organisiert und alle Fäden in der Hand gehabt. Wenn sie es beruflich machen, ist es noch immer etwas Besonderes. Aber können Sie sich auch vorstellen, diesen Job ein Leben lang zu machen?

Traudi Sigwart: Es ist unsere Lebensaufgabe, für mich ist ein anderes Leben unvorstellbar. Es ist unsere Existenz und unser Zuhause.

Lisa Mauracher: Ja klar, aber die Weiterentwicklung ist uns ganz wichtig. So wie es jetzt ist, für die nächsten 50 Jahre, das wäre für uns unvorstellbar.

Rosi Schipflinger: Ja klar, ich mache diesen Job ja bereits mein Leben lang und bin stolz, ein Haus geschaffen zu haben, wo alle Gäste, egal aus welchem Klientel, ein Platzerl in dieser herrlichen Natur finden, um sich ein bisschen vom Alltag zu erholen.

Christa Wimberger: Mein Beruf ist meine Berufung. Ich bin gerne Wirtin und Gastgeberin, schon seit mehr als 30 Jahren, und wenn Sie mich fragen, ob ich es wieder machen würde, dann gebe ich Ihnen ein sicheres JA als Antwort.

Unser Fazit: Die Gastronomie- und Tourismusbranche ist nicht frauenfeindlich an sich, sie ist einfach beinhart. Wer oben mitspielen will, muss hart zu sich und anderen sein. Und das ist vielleicht der wirkliche Unterschied zwischen Männern und Frauen: Männern fällt das anscheinend leichter, vielmehr noch, sie schmücken sich damit. Aber aufgepasst: Immer mehr Frauen – verankert in starken Familienverbänden – wagen den Weg an die Spitze. Sie krempeln die Branche vielleicht ein wenig um und begeistern mit Empathie, Sensibilität und Humor.

Bilder: neni_food, privat, Martin Lugger, Kraus Katharina, Markus Mitterer, Christoph Ascher

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